Buchtipps zur Kommunikation: Rezensionen von Katrin Asmuss

Die Kommunikation ist bekanntlich ebenso facettenreich wie die einzelnen Menschen mit ihrer jeweiligen Persönlichkeit. Deshalb erscheint die Auswahl der von mir rezensierten Bücher der ein oder dem anderen womöglich unsortiert. Für mich gibt es in dieser Zusammenstellung eine klare Ordnung. Das liegt in erster Linie daran, dass ich kein Buch als allein selig machendes ansehe.

Ich finde überall Impulse, was wahrscheinlich daran liegt, dass ich jeden Menschen zunächst einmal akzeptiere…

Doch genug des Vorgeplänkels: Vom Nicht-Allein-Selig-Machenden lässt sich prima ein Schlenker hinlegen – in die heutige Politik. Denn auch hier gilt, dass zunächst in Allem zumindest ein Quäntchen Wahrheit steckt. Und je massiver die Informationsflut mittels der unterschiedlichen Kanäle auf uns niederprasselt, desto mehr haben wir im wahrsten Sinne des Wortes die Qual der Wahl. Wer hier die Feinheiten nicht kennt, dem fällt es nicht leicht, die Richtigen anzukreuzen, egal ob für die Kommune, das Land oder den Bund.

(Wobei ich ausdrücklich und definitiv Nazis oder ähnliche Massen- und Serienkiller ausschließe, die für mich keine akzeptable Option sind.)

Darüber, warum und wie Skandale inszeniert werden und was das mit uns macht:

Ulrich Stockheim: “Land der Empörer”

Die Informationsflut und die Auswirkungen der vielen Kommunikationskanäle:

“Keine E-Mail für Dich” von Franziska Kühne

Hier noch Buchtipps für den alltäglichen Gebrauch:

Paul Ekman: “Ich weiss, dass du lügst – Was Gesichter verraten”

Thorsten Havener: “Denk doch, was du willst”

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Bugliosi: „Helter Skelter. Der Mordrausch des Charles Manson“

Bereits im Vorwort stellt Vincent Bugliosi klar, dass er keinesfalls am zweifelhaften Ruhm des wohl berühmtesten Massenmörders teil haben will, sondern es ihm nicht nur von Berufs wegen um die Opfer geht. Das weltweite Interesse an Geburtstagen des Killers oder den Jahrestagen des Verbrechens befremden ihn eher. Das war für Bugliosi der Grund, gemeinsam mit dem Schriftsteller Curt Gentry die Chronologie des Grauens zu schreiben. Dafür erhielten sie den Edgar Allan Poe Award.

So strukturiert wie Bugliosi als Staatsanwalt arbeitete, ist auch das Buch aufgebaut

Die Bildunterschriften zu den Fotos, Übersichtskarten und Skizzen im Teil mit den Abbildungen folgen praktischerweise direkt dem Vorwort. Natürlich blättert der Leser daraufhin zunächst zur Mitte des Buches und verschafft sich so einen visuellen Überblick zum kompletten Geschehen und allen Beteiligten. Danach folgt eine Auflistung der auftretenden Personen, bis die Autoren schließlich mit „Teil 1: Die Morde“ fortfahren. So stellt man sich die offizielle Akte vor, bis Bugliosi als leitender Staatsanwalt im Prozess gegen die „Manson Familiy“ die Ermittlungen selbst leitet und protokolliert.

Selbst wenn es um Nebenschauplätze und Prominente geht, wie beispielsweise Truman Capote, der in Johnny Carsons Tonight Show zu einer Diskussion über das Verbrechen eingeladen wurde, bleibt Bugliosi bei den Fakten – alles belegbar anhand von Protokollen, Notizen, Verhören usw.

Weltanschauung, Hippie-Kultur und Beatles – Manson benutzte sie alle

Nicht umsonst wurde „Helter Skelter“ zum Weltbestseller und über sieben Millionen Mal verkauft. Es wird Mansons Kindheit beschrieben und wie junge Menschen in die Fänge dieses ungebildeten, aber rhetorisch begabten Kerls geraten konnten. Am deutlichsten zeigt sich das wohl an dem Schlüssel-Begriff „Helter Skelter“, dessen Wortsinn Manson nicht klar war – seine göttlichen Idole, die Beatles, sprachen britisches Englisch und kein amerikanisches. Durch den zufälligen Kontakt zu Denis Wilson von den Beach Boys, bei dem die Family zeitweise wohnte, versuchte Manson, ebenfalls zu einem Gott zu werden – ohne Erfolg. Also gründete er seine eigene Kommune, die „Manson Family“ und erfand eine eigene Weltanschauung, die er „Helter Skelter“ nannte. Nach den Morden an der Schauspielerin Sharon Tate (damalige schwangere Frau von Regisseur Roman Polanski) und ihren Freunden brodelte die Gerüchteküche, es herrschte Angst bei den Hollywood-Größen von Steve MacQueen bis Frank Sinatra, Partys wurden abgesagt und Misstrauen beherrschte die Menschen.

Laut Linda Kasabian litt die komplette Family unter „Verfolgungswahn vor den Schwarzen“

Kasabian war einst Jüngerin von Charles Manson und eine der wichtigsten Zeuginnen in den Ermittlungen. Während sich Bugliosi mit den Tücken der Gesetzgebung und der Zusammentragung von Fakten herumschlug, tat sich parallel dazu vor ihm ein unglaubliches Szenario auf: Aus dem einst Kleinkriminellen und erfolglosen Künstler war mittlerweile der selbst ernannte Gott, Menschenhändler, Zuhälter und Rassist Charles Manson geworden, der insofern Morde ganz vorsätzlich plante, weil er sie wissentlich so befahl, dass er selbst sich dabei die Finger nicht schmutzig machte. Laut seiner Theorie würden die Schwarzen die Weltherrschaft übernehmen, indem sie die Weißen überfielen und abschlachteten. Letztlich jedoch war es die Manson Family, die Roman Polanskis Ehefrau Sharon Tate und ihre Freunde abschlachteten, ebenso wie ihre späteren Opfer, die LaBiancas.

Blinder Gehorsam, endlich ein Zuhause, Sex als Liebesersatz und Drogen…

Es waren sicherlich verwahrloste Kinder, die in Mansons Hände fielen. Doch sie alle wussten, was Recht und Unrecht ist. In mühevoller Kleinarbeit konnten Bugliosi und seine Kollegen dies beweisen – und überlebten. Nicht jedem war dieses Glück beschieden, denn während des Prozesses wurden weitere Morde in Auftrag gegeben oder angedroht.

Manson selbst war übrigens gar nicht so sexbesessen, wie es die Legende gern behauptet. Vielmehr bot er seine Jüngerinnen als Ware an, damit er seine Kommune vergrößern konnte. Damit das funktionierte, verbot er unter anderem auch den Kontakt zwischen Müttern und Kindern. Unvorstellbar und wohl nur mit psychischen Folgeschäden vom übermäßigen Drogenkonsum in der Kommune erklärbar ist die Tatsache, dass diese Frauen Manson sogar im Nachhinein, während des Prozesses noch beschützten. So sagte Ruth Ann Moorehouse, Mitglied der Family: „Kurz bevor wir in der Wüste verhaftet wurden, waren wir zwölf Apostel und Charlie.“

Ein wichtiges Buch, weil es den Opfern gerecht wird, indem es anhand klarer Fakten die Faszination um einen grausamen Killer und seiner Mittäter enttarnt. So sei hier abschließend noch der treffende Titel des Epilogs genannt: „Eine kollektive Geistesstörung“

Vincent Bugliosi mit Curt Gentry: Helter Skelter. Der Mordrausch des Charles Manson. Eine Chronik des Grauens

riva Verlag 2010

ISBN 978-3-86883-057-6

784 Seiten, Hardcover

Preis: 24,90€

Katrin Asmuss

Thorsten Havener: Denk doch, was du willst

Thorsten Havener ist keiner von diesen so genannten Kommunikationsgurus. Als Diplomdolmetscher gehörte es unter anderem zu seinem Job, Menschen genau zu beobachten. Das baute er aus und das Ergebnis sind erfolgreiche Bühnenshows als eine Art Zauberer im Gedankenlesen. Was ihn von anderen unterscheidet: Er entzaubert sich selbst und nimmt sein Publikum mit auf die Reise zur wissenschaftlichen Basis seiner Show. Und was viele noch mehr begeistert: Er macht das auf verständliche Art und Weise.

Leserbindung und Rapport

Ob NLP (Neurolinguistisches Programmieren) als Technik oder Paul Watzlawick als Godfather der Kommunikation – selbst die ungeschulten Leser kann Havener auch in seinen Büchern abholen und mitnehmen. Bereits im Vorwort baut er Leserbindung auf, indem er diejenigen mit einem super Kartentrick belohnt, die es überhaupt lesen. Selbst seine Warnung, dass im Rest des Vorworts nichts mehr kommt, ist durchaus ernst gemeint. Mit Alltagsanekdoten zum Beispiel darüber, wie er selbst schon an der Haustür ein Opfer der Manipulationen von Klinkenputzern geworden ist, baut er weiter das auf, was er Rapport nennt. Damit etabliert er einen neuen Begriff, der so gar nichts mit dem gewohnten Rapport im Sinne eines allgemeinen Berichts zu tun hat. Laut Havener ist der Rapport „…die schönste Verbindung der Welt“

Ob Pacen oder Leaden – Havener mag trotzdem keine Anglizismen

Wie es vom Rapport zum Pacen und Leaden kommt, leuchtet nach der Lektüre von Haveners „Denk doch, was du willst“ ein Mal mehr ein. Selbst den Nebenschauplatz der nervenden Anglizismen, die sogar die deutsche Kommunikationslehre bestimmen, nimmt er wahr und greift ihn auf: „Mir gehen diese englischen Fachausdrücke auch auf die Nerven, aber Sie wissen schon, was ich meine.“ Und weiter geht’s zur Körperhaltung und wie mit ganz einfachen Mitteln das Gegenüber so manipuliert werden kann, dass es automatisch so handelt, wie man es will.

„Eine kleine Geschichte der Hypnose in 7500 Zeichen“ – und die Gefahren

Thorsten Havener klärt nicht nur über die Entwicklung der Hypnose auf, sondern warnt ausdrücklich vor den Gefahren. Es ist bekannt, dass er sein Fachwissen nicht dem Militär oder staatlichen Organisationen zur Verfügung stellen möchte, sondern den Menschen – nur deshalb geht Havener derart ins Detail. Er entlarvt beispielsweise die Methoden zur Erstellung eines typischen Tageszeitungs-Horoskops, damit die Normalverbraucher und Nicht-Geschulten in diesem Bereich die Spreu vom Weizen trennen können. Es ist Thorsten Havener einfach wichtig, dass Menschen Psychospielchen nicht nur im privaten Bereich, sondern auch im sozialen Umfeld bis hin zum Verkaufsgespräch durchschauen, damit umgehen und sich gegebenenfalls davor schützen können.

„Soziale Bewährtheit oder ewig grüßt das Murmeltier“ heißt ein anderes Kapitel, es geht weiterhin um Wahrheit und Lügen oder die Magie der Worte.

Egal, mit welchem Buch man in Haveners Trilogie einsteigt: Die Leser werden in jedem Falle abgeholt, mitgerissen und nehmen schlussendlich eine Bereicherung für sich mit.

Thorsten Havener „Denk doch, was du willst“

Wunderlich/Rowohlt Verlag 2011, 256 S., Hardcover, Preis: 17,95 €, ISBN: 978-3-8052-5021-4

„Keine E-Mail für Dich“ von Franziska Kühne

Fast zögerlich werden die Leser auf das eingestellt, das ihrer in dem Buch harrt. „Warum wir trotz Facebook&Co. vereinsamen“ lautet der Untertitel auf dem Deckblatt des Buches. Direkt darunter ist grafisch ein Sofa dargestellt mit der Aufschrift „Aus dem Alltag einer Therapeutin“.

Den Einstieg bietet dann auch gleich das erste Kapitel über die vielen unterschiedlichen Kommunikationsmöglichkeiten, mit denen wir heutzutage Kontakt halten. Das Telefon ist längst nicht mehr nur Telefon, der Computer ermöglicht via Skype & Co. gleich noch den Rest. Und schon im ersten Absatz wird die Existenz sozialer Netzwerke oder von Online-Dating-Portalen mit der Frage verknüpft, inwiefern diese wirklich „sozial“ sind.

Schattenseiten und ihre Folgen

Jeder kann mit jedem auf allen Kanälen kommunizieren. Die Autorin erläutert in kurzen Zusammenhängen die Tücken dieser vermeintlichen Vereinfachung derart deutlich, dass so manche Lesende einen Aha-Effekt in ihrem tiefsten Inneren angesichts dessen erleben, was sie nur zu gut von sich selbst kennen. Das Zuhören bleibt zum Beispiel auf der Strecke, denn man kann sich parallel zueinander über Themen austauschen. Konflikten muss man sich nicht aussetzen, man geht einfach „off“. Mimik und Gestik fallen vollständig weg und können nur mit vorgegebenen Einheitszeichen symbolhaft und unzureichend dargestellt werden. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist schlichtweg die Zeit.

Oft übernimmt das Smartphone mit akustischen Signalen über die neusten Meldungen aus Twitter, Facebook und E-Mail-Account die Regie über persönliche Treffen. Ein zweifelhafter Vorteil ist weiterhin, das geplante Aktivitäten in der Realität schneller mal eben abgesagt und/oder verschoben werden können, weil ja jeder stets überall erreichbar ist.

Psychotherapie im Zeichen des Internets

Nicht erst seit Cybermobbing und -stalking benötigen die Menschen die Hilfestellung von Therapeuten im Umgang mit den neuen Medien. Der Wandel von sozialen Interaktionen hat sich derart drastisch weiter entwickelt, weil unter anderem die Schamgrenze durch die Anonymität im weltweiten Netz gesunken ist oder Reaktionen der Mitmenschen zeitlich verzögert erfolgen. Und dass die Selbstdarstellung immer eine andere ist als das, was andere Leute wahrnehmen, ist hinlänglich bekannt. So berichtet Franziska Kühne, die ihre psychotherapeutische Praxis in Berlin hat, über die Auswirkungen von Skype-Beziehungen (statt Fernbeziehungen), die Ermöglichung von permanenter Kontrolle und sogar Überwachung, den Verlust von körperlicher Nähe und ähnlichen Neuerscheinungen im Internet-Zeitalter auf die zwischenmenschlichen Kontakte.

Einzelfälle und Studien als Illustration

Bei der Lektüre kommt man schon ins Grübeln angesichts so mancher Überschriften wie zum Beispiel die des Kapitels „Hund-Napf, Mensch-Computer“. Hier wird gleich zu Beginn das Prinzip der Pawlowschen Hunde erklärt und auf den Umgang der Menschen mit ihren Computern übertragen. Auch anhand zahlreicher aktueller Studien veranschaulicht Franziska Kühne, die selbst in Facebook usw. präsent ist, wie wichtig die Selbstreflexion, das tiefe Auch-Mal-Durchatmen inmitten der Informations- und Kommunikationsflut ist. So berichtet sie über eine Klientin, die ihrem Freund eine SMS schickt, die er nicht beantwortet. Bis sie sich im Laufe des Tages so zerfleischt hat, dass sie ihm schließlich eine böse Schlußmach-SMS sendet, bevor er es tut. Ihr Freund meldet sich nachts völlig erschöpft bei ihr zurück mit der Bemerkung, dass sie doch von seinem Dienst am Messestand gewusst hätte.

Kopfkino kontra Realität

Eine andere Frau wollte bei einem männlichen Chatpartner durch eine zusätzliche SMS nicht den Eindruck erwecken, dass sie durch zu viel texten „etwas von ihm wolle“, wodurch der Kontakt schließlich komplett abbrach. Das Kino im eigenen Kopf ist wohl das beste Beispiel für die Auswirkungen auf jene Menschen, die nicht mehr in der Realität miteinander umgehen, sondern nur noch mittels Maschinen. Neben anderen psychischen Störungen könnten sich so Depressionen bald noch rasanter als Krankheitsbild Nummer Eins etablieren.

Kein Jugendlicher kommt heute mehr ohne Facebook aus, denn es ist zu einem wichtigen Teil der Sozialisierung geworden. Genau deshalb gilt die Generation, die mit dem Internet aufwächst, als diejenige, die davon den wirklichen Wert abschöpfen könnte. So die These der Gegenwart.

Kühne bietet gleichermaßen einen Ratgeber und informative Unterhaltung

Wer keine Angst davor hat, hier und da mal den Spiegel vorgehalten zu bekommen, oder wer sich selbst einschätzen, kontrollieren oder gar Auswege aus einer möglichen Internetsucht finden möchte, sollte das Buch von Franziska Kühne unbedingt lesen. Neben ganz alltäglichen Geschichten, Fällen aus ihrer Praxis, die teilweise unterhaltsam, so manches Mal allerdings auch erschütternd sind, regt „Keine E-Mail für dich“ tatsächlich zum Nachdenken oder Überdenken der eigenen Gepflogenheiten bezüglich der Nutzung der unterschiedlichen Kommunikationsmittel an.

Dieses Buch wäre durchaus als Pflichtlektüre geeignet – bestenfalls, noch bevor man sich in die soziale Interaktion via Internet begibt.

Tag & Nacht, 2012, 190 Seiten, Paperback, Preis: 14,99 €, ISBN: 978-3-442-83011-4

Empörung als Ablenkung vom Klartext

Ulrich Stockheim ist ein führender Kommunikationsberater in Wirtschaft und Politik und so weiß er nicht nur, was Tatsachen sind und wer wovon gern ablenken möchte und warum das so ist. Mit seinem Buch „Land der Empörer“ bringt er die wahren Hintergründe von Pseudoskandalen und Rücktritten auf den Punkt, wie u.a. im Hinblick auf den aktuellsten Fall des Karl-Theodor zu Guttenberg.

Ein Abschied der Sprache von der Wirklichkeit ist durchaus gewollt

Die Empörung stellt das simpelste Mittel dar, mit dem sich gut ablenken und manipulieren lässt. In für jeden Menschen verständlichen Formulierungen und Beispielen zeigt Stockheim die Tricks und wahren Hintergründe von so genannten Skandalen auf.

Am Beispiel zu Guttenberg „…kristallisiert sich das ganze Elend der deutschen Debattenkultur. Man könnte eine ganze Doktorarbeit zum Phänomen zu Guttenberg schreiben, darüber, wie sich erst jemand gegen die Empörer positioniert, um dann in einer von ihm selbst ausgelösten Empörungswelle unterzugehen.“

Empörung ist ein prima Mechanismus, den man nur anschubsen muss

Ob als Theaterinszenierung für die Talkshowbühnen oder als Selbstläufer: Im Zusammenhang mit der Margot-Käßmann-Inszenierung nennt Stockmann die rein medialen Instrumente, die hier verwendet werden: „Es ist immer das gleiche Spiel: eine ausführlich vorgetragene Position wird so lange verkürzt und zugespitzt, bis sie in eine Schlagzeile passt – und dann werden beim politischen Personal Kommentare eingesammelt. Fügt man beides zusammen, hat man den Auslöser für die Empörungslawine…“

„Tabukataloge und Sprachwegweiser für diskriminierungsfreies Sprechen“

So lautet ein Kapitel in dem Buch, in dem man den nächsten Stolperstein für Karrieren und Auslöser von Empörungswellen finden kann. Es gibt keine alten Menschen mehr, die heißen jetzt Senioren – und Negerküsse wurden zu Schokoküssen. Das hat seinen Sinn und ist auch in Ordnung. Doch mittlerweile trägt diese Kultur derartige Blüten, dass man stark verunsichert sein muss.

Wer mit dem Lesen dieses Buchabschnitts fertig ist, hat irgendwie das Gefühl, bisher völlig unsensibel durch die Welt gelaufen zu sein – und möchte lieber gar nicht mehr über Politik sprechen, bevor man sich den Mund verbrennt.

Eines weiteres Empörung schürendes Mittel macht einem ebenso bange: „…wie das ständige Fragen nach Grundsätzen die Politik lähmt“. Und andererseits gleichen manche der im Buch aufgeführten Beispiele einer Realsatire. So die „Nicht-Debatte um unser Rentensystem.“

Warum Deutschland nur mit Klartext seine wichtigen Probleme lösen wird

Mit Humor, Verständlichkeit und Alltagsnähe gelingt Ulrich Stockheim in diesem Buch eine wahrhaft spannende und unterhaltsame Aufdeckung von Machtspielchen. Zudem öffnet er selbst geschulten Politikinteressierten die Augen über all die kleinen Details, mit denen manipuliert wird statt Entscheidungen zu treffen, konstruktive Diskussionen zu führen und damit unter anderem auch der Politikverdrossenheit im „Land der Empörer“ entgegenzutreten und gemeinsam Deutschlands Probleme zu lösen.

Ein unbedingt empfehlenswertes Buch!

Ulrich Stockheim: „Land der Empörer. Euro-Krise, Integration, Schulden und Sozialstaat: Warum Deutschland nur mit Klartext seine wichtigen Probleme lösen wird.“ riva Verlag, 2011, 240 Seiten, ISBN 978-3-86883-138-2

Katrin Asmuss

Selbstvertrauen hilft beim Überwinden psychisch belastender Situationen

Dass Selbstvertrauen beim Überwinden psychisch belastender Situationen hilft, konnten sich schon viele Menschen denken. Laut American Psychological Association (APA) wurde nun eine Studie im „Psychological Medicine“ veröffentlicht, nach der ein Wissenschaftlerteam 386 Notfallmediziner während ihrer Ausbildung begleitet hat.

Im Laufe von zwei Jahren entwickelten 32 (8,6 Prozent) eine PTBS (Posttraumatische Belastungsstörung) und 41 (10,6 Prozent) eine Depression. Es zeigte sich, dass Personen, die häufig über belastende Situationen grübelten, besonders anfällig für eine PTBS waren – unabhängig von der Anzahl der traumatischen Ereignisse. Für die Vorhersage von Depressionen war der Grad an Selbstvertrauen in die eigene Fähigkeit, mit Belastungen fertig zu werden (Resilienz), besonders bedeutsam. „Es sind also weniger die belastenden Ereignisse an sich, die eine psychische Störung vorhersagen, sondern mehr die eigenen Denkmuster und der individuelle Umgang mit diesen Erfahrungen“, erläutert Studienleiterin Anke Ehlers von der University of Oxford (GB).

Zwar erholten sich die Probanden innerhalb von vier Monaten von ihren Problemen, waren jedoch stärker als nicht betroffene Kollegen in ihrer Lebensqualität und Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt. Beispielsweise litten sie unter Schlafstörungen oder Gewichtszunahme.

Weitere Untersuchungen sollen nun zeigen, wie man gefährdete Personen während ihrer Ausbildung stützen kann und inwiefern dieses neue Wissen künftig in gezielten Trainingsprogrammen umgesetzt werden können.

 

 

 

 

(Quelle: univadis.de)

 

Schlagfertigkeit-Training

Nach einer erfolgten Kränkung wissen die meisten erst nachher, was sie jemandem hätten sagen müssen, können, sollen – im entscheidenden Moment fehlt es jedoch oft an der gewünschten Schlagfertigkeit. Doch die kann man erlernen, in speziellen Trainings.

Erste-Hilfe-Maßnahmen für mehr Schlagfertigkeit

Die simpelste Methode ist es immer, einfach abzulenken. Wenn der dreiste Jung-Chef einen wieder duzt, obwohl man das bitte nicht wünscht (zum derzeitigen Du-Wahn folgt später ein separater Text), könnte man einfach sagen: „Okay, wann und wo? Aber Sie (!!!) bezahlen!“ Wenn er sie irritiert anschaut, lässt man ihn einfach in Ruhe, denn es gehört sich nicht, Fragen zu beantworten, die einem gar nicht gestellt werden. Und wer will schon dem Chef zu nahe treten?! Falls er nachfragt, kann man spezifizieren: „Wir haben eine Menge miteinander ausgehandelt – das DU war nicht dabei. Für mich gehört dazu eine private Atmosphäre und keine dienstliche. Wünschen Sie (!!!) das wirklich?!“ Der Rest dieses Gespräch ergibt sich von selbst – denn jetzt sitzen Sie am Ruder, weil sie die Gesprächsführung übernommen und gleichzeitig Grenzen gesetzt haben… und das sogar sehr freundlich. Sein Papi hätte dem überforschen Sohnemann-Chef wahrscheinlich verbal eins auf die Mütze gegeben für die Unhöflichkeit, einfach so andere Leute zu duzen, wenn dieser Fauxpas in Papis Freundes- oder Geschäftspartnerkreis geschehen wäre.

Schlagfertigkeit bei sexuellen Anmachen

Das beste Beispiel für die angemessene Reaktion auf sexuelle Anmachen habe ich, ehrlich gesagt, außerhalb meiner Beratungspraxis gehört. In der Ausdrucksweise drastisch, aber umso deutlicher: Ein Klassenkamerad sagt einer Mitschülerin nach den Sommerferien: „Boah, hast du T***** gekriegt!“. Sie schaut mit kritischem Blick und gerunzelter Stirn an ihm herunter, bleibt mit ihrem Blick an seinem Genitalbereich haften und entgegnet: „Das darfst du mir erst sagen, wenn du dir hast einen S****** wachsen lassen!“ Das Gelächter aller Mitschüler (auch der männlichen) belohnte sie für ihre Direkheit. Es ist einer der ältesten Irrtümer der Menschheit, dass Männer das andere Geschlecht stets und ständig bewerten dürfen, egal ob sie selbst dickbäuchig, alt und häßlich sind. Hoffentlich räumt eine der kommenden Generationen endlich damit auf – oder glauben Männer etwa wirklich, dass Frauen allein ihre rasende Begeisterung für Fussball-Sport ausleben, wenn es eine WM oder EM mit lauter knackigen Typen auf dem Feld gibt? Diese eben genannte junge Pubertierende lässt jedenfalls auf bessere Zeiten mit jungen Frauen ohne Model-Berufswunsch hoffen.

Die obigen Beispiele und was dahinter steht

Und wenn man wirklich mal ganz intensiv überlegt, welche Situationen etwas grenzwertig sind im Kontakt mit anderen Menschen, stellt man fest, dass es zunehmend wichtiger wird, sich insbesondere vor verbalen Übergriffen zu schützen. Das ist zudem eine gute Prävention für schlimmere Situationen – je charmanter und entspannter (nicht desinteressiert oder gleichgültig!) man trotz allem bleibt, umso deeskalierender wirkt man auf Andere. Um die eigene Schlagfertigkeit effektiv zu trainieren, sind also sehr viele Aspekte nötig. In diesem Text sind ja schon einige genannt worden. Abschließend noch eine Leitlinie: Sofern man klare Meinungen hat (wie zum Beispiel jene, die ich im Laufe dieses Textes vertrete, wobei es mir tatsächlich völlig egal ist, wem und ob diese Anschauungen gefallen oder nicht) und wenn man obendrein mit diesen Meinungen völlig entspannt im Reinen ist, dann hat man schon mal entschieden weniger Blockaden im Kopf, um eine gewisse Schlagfertigkeit an den Tag legen zu können. Und das ohne große Aufregung, zur richtigen Zeit, am richtigen Ort, der richtigen Person gegenüber und mit einer adäquaten Verhaltensweise!

 

 

Anmeldung zum Training „Schlagfertigkeit“: