Empörung als Ablenkung vom Klartext

Ulrich Stockheim ist ein führender Kommunikationsberater in Wirtschaft und Politik und so weiß er nicht nur, was Tatsachen sind und wer wovon gern ablenken möchte und warum das so ist. Mit seinem Buch „Land der Empörer“ bringt er die wahren Hintergründe von Pseudoskandalen und Rücktritten auf den Punkt, wie u.a. im Hinblick auf den aktuellsten Fall des Karl-Theodor zu Guttenberg.

Ein Abschied der Sprache von der Wirklichkeit ist durchaus gewollt

Die Empörung stellt das simpelste Mittel dar, mit dem sich gut ablenken und manipulieren lässt. In für jeden Menschen verständlichen Formulierungen und Beispielen zeigt Stockheim die Tricks und wahren Hintergründe von so genannten Skandalen auf.

Am Beispiel zu Guttenberg „…kristallisiert sich das ganze Elend der deutschen Debattenkultur. Man könnte eine ganze Doktorarbeit zum Phänomen zu Guttenberg schreiben, darüber, wie sich erst jemand gegen die Empörer positioniert, um dann in einer von ihm selbst ausgelösten Empörungswelle unterzugehen.“

Empörung ist ein prima Mechanismus, den man nur anschubsen muss

Ob als Theaterinszenierung für die Talkshowbühnen oder als Selbstläufer: Im Zusammenhang mit der Margot-Käßmann-Inszenierung nennt Stockmann die rein medialen Instrumente, die hier verwendet werden: „Es ist immer das gleiche Spiel: eine ausführlich vorgetragene Position wird so lange verkürzt und zugespitzt, bis sie in eine Schlagzeile passt – und dann werden beim politischen Personal Kommentare eingesammelt. Fügt man beides zusammen, hat man den Auslöser für die Empörungslawine…“

„Tabukataloge und Sprachwegweiser für diskriminierungsfreies Sprechen“

So lautet ein Kapitel in dem Buch, in dem man den nächsten Stolperstein für Karrieren und Auslöser von Empörungswellen finden kann. Es gibt keine alten Menschen mehr, die heißen jetzt Senioren – und Negerküsse wurden zu Schokoküssen. Das hat seinen Sinn und ist auch in Ordnung. Doch mittlerweile trägt diese Kultur derartige Blüten, dass man stark verunsichert sein muss.

Wer mit dem Lesen dieses Buchabschnitts fertig ist, hat irgendwie das Gefühl, bisher völlig unsensibel durch die Welt gelaufen zu sein – und möchte lieber gar nicht mehr über Politik sprechen, bevor man sich den Mund verbrennt.

Eines weiteres Empörung schürendes Mittel macht einem ebenso bange: „…wie das ständige Fragen nach Grundsätzen die Politik lähmt“. Und andererseits gleichen manche der im Buch aufgeführten Beispiele einer Realsatire. So die „Nicht-Debatte um unser Rentensystem.“

Warum Deutschland nur mit Klartext seine wichtigen Probleme lösen wird

Mit Humor, Verständlichkeit und Alltagsnähe gelingt Ulrich Stockheim in diesem Buch eine wahrhaft spannende und unterhaltsame Aufdeckung von Machtspielchen. Zudem öffnet er selbst geschulten Politikinteressierten die Augen über all die kleinen Details, mit denen manipuliert wird statt Entscheidungen zu treffen, konstruktive Diskussionen zu führen und damit unter anderem auch der Politikverdrossenheit im „Land der Empörer“ entgegenzutreten und gemeinsam Deutschlands Probleme zu lösen.

Ein unbedingt empfehlenswertes Buch!

Ulrich Stockheim: „Land der Empörer. Euro-Krise, Integration, Schulden und Sozialstaat: Warum Deutschland nur mit Klartext seine wichtigen Probleme lösen wird.“ riva Verlag, 2011, 240 Seiten, ISBN 978-3-86883-138-2

Katrin Asmuss

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Ein Gedanke zu „Empörung als Ablenkung vom Klartext

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