Unstatistik zum Thema Terrorangst

Ich bin eine bekennende Freundin der Statistiken als solche, amüsiere mich aber auch gern über die meist irreführenden Interpretationen von Umfragen/Statistiken in den Medien. Deshalb ist für mich die „Unstatistik des Monats“ Pflichtlektüre – anhand dieser hinterfragen der Berliner Psychologe Gerd Gigerenzer, der Dortmunder Statistiker Walter Krämer und RWI-Vizepräsident Thomas Bauer jeden Monat sowohl jüngst publizierte Zahlen als auch deren Interpretationen. Hier also einmal 1:1 eine Pressemitteilung zum Thema „Terrorangst“:
(Pressemitteilung RWI Essen) Die Angst der Deutschen wächst – insbesondere die vor Terroranschlägen. Viele Medien berichteten Anfang dieses Monats von den Ergebnissen einer Angststudie der R+V Versicherung, darunter die Online-Ausgabe der „Süddeutschen Zeitung“ unter dem Titel „Studie: Terror-Angst der Deutschen wächst“, die Bild-Zeitung und dem Titel „Terror ist die größte Sorge der Deutschen!“ und der Westdeutsche Rundfunk unter „Nizza und die Folgen: Feiern gegen die Angst?“. Nach dieser Studie fürchteten sich 73 Prozent der 2400 befragten Personen davor, dass „terroristische Vereinigungen Anschläge verüben“. Auch international stehen die Deutschen mit dieser Angst an der Spitze. Nach einer Umfrage des US-Meinungsforschungsinstituts Pew befürchten 61 Prozent der befragten Deutschen, dass der Flüchtlingszustrom die Wahrscheinlichkeit von Terrorismus erhöhe. Damit belegt Deutschland unter den zehn Ländern, in denen die Befragung durchgeführt wurde, nach Ungarn und Polen den dritten Platz.

Die Umfrageergebnisse stellen an sich noch keine Unstatistik dar. Bedenklich ist vielmehr, dass – von wenigen Ausnahmen abgesehen – nicht versucht wurde, die Wahrscheinlichkeit eines Terroranschlags in Relation zu anderen Gefahren des Lebens zu stellen. So war es in Deutschland in den vergangenen Jahren wahrscheinlicher, von einem Blitz getroffen als Opfer eines terroristischen Anschlags zu werden. Selbst in den USA ist es in den meisten Jahren wahrscheinlicher von einem Kleinkind erschossen zu werden, das mit den Waffen der Eltern herumspielt, als durch einen Terroristen. Mit derartigen Informationen könnte man nicht nur der Angst der Bevölkerung entgegenwirken, sondern auch den Terrorismus entwaffnen. Dessen Ziel ist es ja gerade, Angst zu verbreiten.

Sollten Sie sich aufgrund der terroristischen Anschläge entschieden haben, dieses Jahr mit dem Auto an die Nord- oder Ostsee oder in die Alpen zu fahren – fahren Sie vorsichtig! Die Wahrscheinlichkeit, dass Sie dabei einen tödlichen Verkehrsunfall haben, ist um ein Vielfaches höher als in der Türkei oder auf Djerba Opfer eines Terroranschlags zu werden.

(Quelle: RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung)
weitere Unstatistiken unter: http://www.unstatistik.de
Advertisements

WEISSER RING: Jugendliche müssen Belästigung im Internet nicht hinnehmen

(Pressemitteilung) Dauerhafte Belästigungen, Beschimpfungen und obszöne Anmachen müssen Jugendliche in Internet-Foren, in sozialen Netzwerken und auf Dating-Plattformen nicht hinnehmen. Dafür möchte der WEISSE RING, Deutschlands größte Hilfsorganisation für Opfer von Kriminalität, am Internationalen Tag der Jugend am 12. August sensibilisieren. Jugendliche sollten stattdessen Personen, die sie bedrängen und immer wieder unerwünscht Kontakt aufnehmen, blocken und dem Plattformbetreiber melden. Nur so kann der Betreiber der Sache nachgehen, verwarnen und unseriöse Profile löschen.

Bei schwerwiegenden Beleidigungen, Drohungen und der Zusendung von pornografischem Material sollten Jugendliche nicht davor zurückschrecken, die Polizei einzuschalten. „Junge Menschen befinden sich in einer Lernphase – auch, was ihr Onlineverhalten angeht“, sagt Bianca Biwer, Bundesgeschäftsführerin des WEISSEN RINGS. Teilweise falle es ihnen – wie auch vielen Erwachsenen – schwer, einzuschätzen, welche Dimensionen und Folgen eigene Aktivitäten im Netz haben: zum Beispiel, wer auf eingestellte Daten, Bilder und Informationen tatsächlich zugreifen kann und wie lange sie im Netz gespeichert bleiben. Auch passiere es, dass in Zeiten enger digitaler Vernetzung Inhalte ins Netz gestellt würden, ohne sie vorher kritisch geprüft zu haben. „Wenn sich Jugendliche mit einer Online- Bekanntschaft oder einem gänzlich Unbekannten konfrontiert sehen, der sie plötzlich dauerhaft und ungefragt beleidigt, bedroht oder obszön angeht, kann sie das erheblich verunsichern“, so Biwer. Dies könne unter Umständen daran hindern, sich Hilfe zu holen und andere einzuschalten.

Das Internet erlaubt Tätern, rund um die Uhr aktiv zu sein, ohne dabei überhaupt real in Kontakt mit Opfern zu treten, und sie auch praktisch vor den Augen aller anderen Netzwerkmitglieder anzugehen und bloßzustellen. Entsprechend permanent ist die Belastungssituation für Opfer. Nicht selten leiden sie in der Folge noch jahrelang unter schwerwiegenden körperlichen und psychischen Belastungen, die das weitere Leben massiv beeinträchtigen können. Gerade für junge Menschen kann dies besonders tragisch sein. Daher ist es auch so wichtig, aktiv zu werden, sich dauerhafte und unerwünschte Belästigung nicht gefallen zu lassen und Vertrauenspersonen, den Plattformbetreiber oder unter Umständen auch die Polizei zu kontaktieren.

Der WEISSE RING möchte auch Eltern dazu ermutigen, sich über Risiken und Gefahren in der digitalen Lebenswelt ihrer Kinder zu informieren und mit ihnen darüber zu sprechen. Wichtig ist dabei, Jugendliche für ihr Online-Verhalten nicht von vornherein zu verurteilen und sie nicht unnötig einzuschränken. In sozialen Netzwerken wie Facebook gibt es beispielsweise Privatsphäre-Einstellungen, die vor Kontaktaufnahme Unbekannter schützen können. Es hilft auch, sich Nutzungsrechte eines Plattformbetreibers aufmerksam durchzulesen, um zu erfahren, was mit ins Netz gestellten Inhalten passiert – und zu welchem Zweck der Betreiber diese Daten noch verwenden kann.

„Wichtig ist, das richtige Gespür bei sich und seinen Kindern zu entwickeln, welche persönlichen Daten preisgegeben werden dürfen“, betont Bundesgeschäftsführerin Biwer. Gleichermaßen wichtig sei die Erkenntnis, dass Opfer Tätern im Internet nicht schutzlos ausgeliefert sind. Der WEISSE RING steht Opfern, die im Internet belästigt und bedroht werden, mit Rat und Tat zur Seite: Die 3.200 ehrenamtlichen, professionell ausgebildeten Mitarbeitern leisten in bundesweit 420 Außenstellen Trost und Beistand und begleiten zur Polizei und zum Gericht. Darüber hinaus vermitteln sie finanzielle und weiterführende Hilfen. Die Mitarbeiter des bundesweiten und kostenlosen Opfer-Telefons des WEISSEN RINGS sind unter der Rufnummer 116 006 an allen sieben Wochentagen von 7 bis 22 Uhr erreichbar.

Der WEISSE RING wurde 1976 in Mainz gegründet als „Gemeinnütziger Verein zur Unterstützung von Kriminalitätsopfern und zur Verhütung von Straftaten e. V.“. Er ist Deutschlands größte Hilfsorganisation für Opfer von Kriminalität. Der Verein unterhält ein Netz von rund 3.200 ehrenamtlichen, professionell ausgebildeten Opferhelfern in bundesweit 420 Außenstellen. Der WEISSE RING hat über 100.000 Förderer und ist in 18 Landesverbände gegliedert. Er ist ein sachkundiger und anerkannter Ansprechpartner für Politik, Justiz, Verwaltung, Wissenschaft und Medien in allen Fragen der Opferhilfe. Der Verein finanziert seine Tätigkeit aus Mitgliedsbeiträgen, Spenden, testamentarischen Zuwendungen sowie von Gerichten und Staatsanwaltschaften verhängten Geldbußen.