Unstatistik 04/2017: Eine Stunde joggen, sieben Stunden länger leben

(PM) Eine amerikanische Studie über Jogging (Lee et al „Running as a Key Lifestyle Medicine for Longevity“) hat im April die Medien bewegt – und zur Unstatistik des Monats April geführt. Etwa 55.000 Männer und Frauen im Alter von 18 bis 100 Jahren wurden untersucht, um herauszufinden, ob Laufen das Leben verlängert. Die Studie berichtet, dass Laufen mit einer Verringerung von Herzkrankheiten, Krebs und anderen Krankheiten einhergeht und diese Wirkung größer sei, als wenn man die gleiche Zeit mit Radfahren, Schwimmen, Gehen oder einem anderem Sport verbringt. Im Internet wurden die Ergebnisse mit Schlagzeilen wie „Eine Stunde Jogging verlängert Leben um sieben Stunden“(www.ispo.com) oder „Jede Stunde Laufen schenkt dir 7 Stunden Lebenszeit!“ (www.woman.at) verbreitet.

Das Joggen in blanken Zahlen

Eine Stunde investieren und sieben zusätzliche erhalten – das klingt wie ein Traum. Wenn das so wäre, dann könnten wir uns unsterblich „laufen“. Rechnen wir das einmal nach: Würde man täglich vier Stunden laufen, dann macht das pro Tag einen Gewinn von 28 Stunden Lebenszeit. Da 28 Stunden länger dauern als ein Tag, wird demnach die Lebenserwartung jeden Tag immer länger. Selbst wenn man nur eine Stunde täglich joggen würde, wären dies in den 50 Lebensjahren von 20 bis 70 insgesamt 365×50 Stunden, also etwas über 2 Jahre, die man mit Laufen verbringt. Nach dieser Rechnung würde sich die Lebenserwartung um 14 Jahre verlängern, wovon modernste Medizintechnik nur träumen kann. Also nichts wie los, ums Leben laufen?

Zahlen plus Logik = Statistik

Doch die Schlagzeilen führen in die Irre, da sich die Zahl „eine Stunde Joggen, um sieben Stunden länger zu leben“ nur auf die Situation von zwei Stunden Jogging pro Woche bezieht. Das ist die durchschnittliche Zeit, welche die untersuchten Jogger gelaufen sind (und diese zwei Stunden wurden nicht gemessen, sondern waren eine Selbsteinschätzung im Fragebogen). In der Originalstudie heißt es auch klar, dass der Nutzen des Laufens abnimmt, je länger man pro Tag läuft. Insgesamt wird über einen maximalen Gewinn von etwa drei Jahren Lebenserwartung berichtet – was die meisten Berichte im Internet am Ende auch erwähnen. Die Zahl „eine Stunde Joggen und sieben Stunden länger leben“ wurde so geschätzt: Eine Gruppe von Joggern im Alter von 44 Jahren, die 2 Stunden pro Woche läuft, verbringt bis zum Alter von 80 Jahren insgesamt 0,43 Jahre mit Laufen und gewinnt dabei 2,8 Jahre zusätzliche Zeit – das entspricht rund eine Stunde Laufen pro sieben Stunden länger leben. Dass jede zusätzliche Stunde Laufen sieben Stunden Lebenszeit schenkt und damit das Leben immer länger wird, wenn man mehr läuft, davon war nicht die Rede. Im Gegenteil, exzessives Laufen kann das Risiko erhöhen, an Herzkrankheiten zu sterben, wie die Studie auch berichtet.

Fazit: Schlagzeilen erwecken oft Erwartungen, die der Artikel nicht befriedigen kann. Dennoch weisen viele Studien daraufhin, dass regelmäßige Bewegung wie Laufen, Gehen und Tanzen für Menschen ohne schwere Krankheit genau so viel oder mehr zur Gesundheit beitragen kann wie regelmäßige Checkups, Krebs-Früherkennung und vorbeugende Medikamente. Und noch etwas: Wenn schon zum Arzt, dann laufen.

MEHR UNTER: www.unstatistik.de

 

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Warum zur Heilpraktikerin für Psychotherapie?

Menschen mit psychischen Problemen müssen nicht immer krank sein – das weiß jeder aus seinem persönlichen Lebensumfeld, denn schließlich rennt man auch nicht mit jeder kleinen Erkältung direkt zum Arzt. Sofern man nicht mehr genau weiß, ob zum Beispiel das ständige Grübeln über das eigene Altern schon in Richtung Depression im Krankheitssinne geht oder die Zwangshandlung schon behandlungsbedürftig oder nur eine Marotte ist, beginnen die Recherchen im Internet und angesichts der vielfältigen Informationen fragt man sich irgendwann unter anderem: „Warum zum Heilpraktiker für Psychotherapie?“

Die Schwere des subjektiven Leidens

Wie oben bereits erwähnt, ist ja nicht alles gleich eine Krankheit. Auch nicht, wenn es um psychische Probleme geht. Mancher fühlt sich von mehr als zwei festen Terminen in der Woche überfordert, die nach einem vollen Arbeitstag noch absolviert werden müssen; andere Menschen laufen an genau diesem Punkt überhaupt erst zur Hochform auf. Ist der dreißigste, vierzigste oder fünfzigste Geburtstag das Lebensereignis, das einen aus den Hufen haut oder einfach nur der Beginn eines neuen Lebensabschnitts? Wenn das einzige oder das letzte Kind das Elternhaus verläßt, ist das für viele Eltern ein derart einschneidendes Erlebnis, das nur noch vom Übergang eines arbeitsreichen Lebens in das Rentenalter übertroffen wird… Diese wenigen Beispiele sollen illustrieren, wie vermeintlich banale Dinge, wie sie in jedem Lebenslauf vorkommen, einige von uns völlig vom gewohnten oder sogar gesunden Weg abbringen, andere wiederum auf ganz neue, spannende Lebenslinien führen. Wenn die Kinder das Haus verlassen, fühlen manche Mütter und/oder Väter eine furchtbare Leere, die durchaus bis zu Krankheiten führen kann. Andere wiederum gestalten das ehemalige Kinderzimmer umgehend in den längst überfälligen Hobbyraum um.

Die Hilfe guter Freundinnen und Freunde

Zunächst wendet man sich bei oben genannten Ereignissen (das Wort „Problem“sollte nicht inflationär benutzt werden) an Vertraute aus dem Freundeskreis. Wenn von diesen jedoch irgendwann der Rat kommt, sich vielleicht professionelle Hilfe zu holen, muss es tatsächlich nicht gleich der Psychiater oder psychologische Psychotherapeut sein. Bei Lebensereignissen wie oben angedeutet reicht es oftmals schon aus, einen außenstehenden Berater aufzusuchen und dort fünf bis zehn Krisen-Sitzungen (so nenne ich das gern) in Anspruch zu nehmen. Sobald jedoch permanente Schlaflosigkeit oder andere körperliche Symptome hinzukommen, ist es in jedem Falle ratsam, die Hausärztin/den Hausarzt seines Vertrauens aufzusuchen. Dort kann immer noch entschieden werden, wie es weitergeht. Ein weiterer Punkt: Aus den unterschiedlichsten Gründen möchte man sich manchmal auch gerade nicht seinen FreundInnen anvertrauen.

Der Psychologische Berater versus HeilpraktikerIn für Psychotherapie

Was sehr wichtig ist: Der Beruf „Psychologischer Berater“ ist ein freier Beruf. Es kann sich also jeder so nennen. Deshalb würde man hier viel Zeit investieren (und womöglich auch viel Geld), bevor man dessen tatsächliche Qualifikation spürt – oder eben auch nicht. Die „Heilpraktiker für Psychotherapie“ hingegen müssen eine schriftliche und eine mündliche Prüfung beim jeweiligen Gesundheitsamt absolviert haben, bevor sie sich so nennen dürfen. Damit erbringen sie den Nachweis darüber, dass sie „keine Gefahr für die Volksgesundheit“ sind (klingt wunderlich, denn die Regelung basiert auf alten Gesetzen). Darüber erhalten sie eine Urkunde, ein Zertifikat. Gleichzeitig sind HeilpraktikerInnen für Psychotherapie zu ständiger Weiterbildung in ihrem Gebiet angehalten.

Vorteile: HeilpraktikerIn für Psychotherapie

Die Wahl fällt meist auf den/die HeilpraktikerIn für Psychotherapie, wenn es um jene oder ähnliche Lebensereignisse wie die oben genannten geht. Meist muss man diese psychologisch fundierte Hilfe aus eigener Tasche bezahlen (wobei man sich im Vorfeld bei seiner Krankenkasse dahingehend erkundigen kann, denn manche -sehr wenige- übernehmen auch die Kosten), doch weitere Vorteile sind tatsächlich nicht von der Hand zu weisen: Durch die auch hier geltende Schweigepflicht und das Nicht-Einspeisen von persönlichen Daten in das offizielle Gesundheitssystem kann die Behandlung bei Heilpraktikern für Psychotherapie auch nicht in andere Kostenentscheide oder sonstige Maßnahmen und Entscheidungen der Krankenkasse einfließen. Das Vertrauen in die Datensicherheit ist bei den meisten Menschen nun einmal schwer erschüttert und bei realistischer Betrachtung glaubt wohl kaum jemand daran, dass die eigenen Daten nicht auch an andere Ämter weitergegeben werden – egal, ob das  nun legal ist oder nicht. Weiterhin fühlen sich sehr viele Leute einfach unwohl bei dem Gedanken, dass eine Behörde wie die die Krankenkasse die privatesten Probleme kennt, zudem psychische Leiden oftmals immer noch sehr stigmatisiert sind.

Der jährliche TÜV für die Psyche

Mittlerweile gehören Therapie und Coaching (so sie offiziell NICHT an eine tatsächliche Krankheit gekoppelt sind) zum guten Ton, fast zum Mainstream. Es zeugt von Stärke, sich selbst zu hinterfragen und entsprechend aufzuräumen. So wundert es nicht, dass freie TherapeutInnen sich ungern auf Preis-Diskussionen einlassen. Immerhin ist die eigene Psyche und das allgemeine Wohlbefinden mehr wert als das neueste Mobiltelefon oder Autoreparaturen. Daher empfehle ich -unabhängig davon, ob die Klienten nun zu mir kommen oder nicht- in unseren doch sehr hektischen und facettenreichen Zeiten unbedingt, sich eher für einen „jährlichen TÜV für die Psyche“ zu entscheiden.

Wichtig ist tatsächlich bei alledem nur: Schauen Sie sich genau an, wen Sie aufsuchen! Eine kostenlose Erstberatung sollte immer drin sein, damit Sie die gemeinsame Wellenlänge feststellen können (wer will schon mit jemandem reden, mit der/dem einfach die Chemie nicht stimmt). Und unbedingt beachten: Bei körperlichen Symptomen unbedingt zunächst Ihren Hausarzt aufsuchen!