Psychohygiene, Teil I

Sicherlich kann der gesunde Menschenverstand recht schnell mit dem Wort Psychohygiene einiges assoziieren. Mit diesen gedanklichen Verbindungen liegen die meisten Leute auch völlig richtig: Gedanken einfach richtig ablegen, ihnen nachhängen und manche beiseite legen – das Gehirn aufräumen, reinigen und so weiter. Das Gebiet der Psychohygiene ist sehr weit gefächert, deshalb hier nur ein erster Einstieg zur Selbstbeobachtung oder auch einfach nur zur Kenntnis – wie auch immer.

Grundlegende Psychohygiene

Ein gemütliches Beisammensein mit Freunden, Probleme ansprechen und diskutieren, aber einfach auch mal über den nervigen Alltag herummeckern und sich gründlich selbst bedauern – das sind einige der wichtigsten Bausteine der Psychohygiene. Keiner mag die „Hobby-Opfer“ oder diejenigen, die sich permanent in ihrer Selbstherrlichkeit darstellen. Das ist der Tatsache geschuldet, dass alles, was man übertreibt, sowieso immer in das Gegenteil umschlägt oder krasser formuliert: Alles, was übertrieben wird, birgt (Krankheits-)Gefahren in sich. Soll heißen: Sich selbst mal einfach mal loben für eine gute Leistung oder sich in eine Ecke verziehen und alle anderen Menschen im sozialen Umfeld einfach nur doof finden, sind nicht nur völlig normale Verhaltensweisen – im Gegenteil, wer so etwas ab und zu mal zelebriert, reagiert sich optimal ab und erhält sich dabei durchaus gesund. Der eine latscht parallel dazu ..zig Stunden durch den Wald, die nächste joggt, wiederum andere lesen ein Buch oder starren einfach nur in die Luft und freuen sich. So banal und erfüllend kann Glück sein.

Übertreibung und Authentizität

Wie oben schon geschrieben: Vorsicht vor Übertreibung. Sehr gut kann man das illustrieren an dem Zuviel in unserer Industriegesellschaft. Zu jeder Zeit ist alles verfügbar, sofern das nötige Kleingeld da ist. Umso größer ist kurioserweise die Freude, wenn die Erdbeerzeit anbricht oder endlich wieder Spargelsaison ist, um nur zwei Beispiele zu nennen. Ähnlich verhält es sich mit Menschen, die ständig einfach nur gut drauf sind. Ein paar Mal ist das toll, man läßt sich gern anstecken und genießt den Strudel guter Stimmung, in den man mit hineingerissen wird. Alles positiv, alles schick, alles toll – da geht auch dem passivsten Menschen irgendwann die Hutschnur hoch. Weil: Das ist nicht das Leben. Es gibt immer Hoch´s und Tief´s und Hell und Dunkel…usw. Dafür gibt es viele Metaphern von „Himmel und Hölle“ bis „Ying und Yang“. Tatsache bleibt: Wer durchweg nur mit traurigem Gesicht und leidend durch die Pampa latscht, nervt uns irgendwann eben so wie diejenigen, die ständig guter Laune sind. Da fehlt schlicht und ergreifend die Authentizität, um nicht zu sagen: die Normalität, die Ausgewogenheit.

Bauchgefühl und Heilsversprechen

Aus oben genannten Gründen sollte man durchaus kritisch – nicht pessimistisch – durch die Welt laufen und sich vor denen schützen, die versprechen, dass sie alle Probleme lösen und das auch ganz schnell. Da ist sie nämlich wieder – die Übertreibung. Der Glaube, woran auch immer, mag eine gute Stütze für manche Menschen sein. Doch letztendlich bewahrt einen immer nur der gesunde Menschenverstand vor falschen Entscheidungen oder Situationen… und selbstverständlich auch vor Menschen, die einem nicht guttun oder sogar schaden. Das Bauchgefühl ist die erste Entscheidungsstütze, die zweite der gesunde Menschenverstand. Das Verdienst der Wissenschaft besteht auch für Normalo´s in der Neigung, Dinge zu überdenken. Der einfachste Weg anhand des Beispiel bei einer größeren Geldausgabe: Das, was der Verkäufer mir gesagt hat, in Ruhe daheim überprüfen (oder in neudeutsch: googeln), mit engen Vertrauten besprechen und dabei durchaus auch die eigenen Standpunkte noch mal sehr kritisch in Frage zu stellen. Und immer daran denken: Verkäufer sind nicht nur in Läden oder vor der Wohnungstür und am Telefon zu finden, die Seelenverkäufer sind definitiv die schlimmere Variante!

Denken und Bewegung

Sehr wichtige Grundlage für die Psychohygiene -wie für alles andere- ist die Bewegung. Auch das Gehirn ist einfach nur ein Körperteil, das durchblutet wird und in dem haufenweise Prozesse passieren, die uns das Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Tasten… und noch ..zig andere Vorgänge ermöglichen. Ob nun Joggen oder Spazierengehen: Wohl jede/r von uns kennt den Zustand bei entsprechend langer oder intensiver körperlicher Aktivität, in dem man nicht mehr denkt, sondern einfach nur da ist. Wie bei allen körperlichen Vorgängen sollte man genauer hinschauen und sich rechtzeitig von Überforderung schützen. Nachteil beim Gehirn: Man hat beispielsweise keinen Muskelkater, der einen deutlich spürbaren „Warnschuss“ vorab sendet. Hier kann nur jede/r für sich entscheiden, wann eine Pause angesagt ist und man sich einfach mal rausnimmt aus seinem sozialen Umfeld (inklusive Facebook & Co!!!).

…Fortsetzung folgt…

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„Voll schizo, wa?!“

Wenn etwas „Voll schizo, wa?!“ ist, meint der Mensch, über dessen Lippen diese Bewertung kommt, dass eine andere Person offenbar nicht so recht weiß, was sie will oder sogar ganz gegenteilige, in sich nicht schlüssige Gedanken äußert oder Handlungen an den Tag legt. Und genau diese weit verbreitete Meinung ist falsch.

Multiple Persönlichkeit

Um es fachlich korrekt und dennoch allgemein verständlich zu sagen: Schizophren ist nicht das, was es zu sein scheint. Es handelt sich bei diesem berühmten „Switch“, dem Wechsel von einer Persönlichkeit zur nächsten (oder sogar mehreren) bei ein und demselben Menschen um das Krankheitsbild der dissoziativen Störung, auch Konversionsstörung genannt – präziser: Multiple Persönlichkeit. Die Faszination dieser Störung beruht wohl nicht zuletzt darin, dass jeder Mensch sich in seinem Leben einmal hin- und hergerissen fühlt, wenn es um emotionale, berufliche oder sonstige Entscheidungen geht. Oder auch, wenn mancher denkt, er wäre lieber netter zu seinem sozialen Umfeld oder -im Gegenteil- gemeiner, weil er sich ungerecht behandelt fühlt.

Edward Norton als Aaron Stampler

Wohl eine der brillantesten Darstellungen dieses Phänomens findet man in dem Film „Zwielicht“ mit Edward Norton, der dafür unter anderem den Golden Globe als bester Nebendarsteller abräumte. Kein Wunder, dass Norton mit dieser seiner ersten großen Rolle den Ruhm für eine große Schauspiel-Karriere begründete – vielen ist er sicherlich bekannt aus „American History X“. Edward Norton empfahl sich mit dieser einen Rolle zukünftigen Auftraggebern aufs Beste, weil er als schüchterner Messdiener Aaron Stampler, der immer wieder unvermittelt zum selbstbewußten Roy wird, die komplette Bandbreite seines schauspielerischen Könnens darbieten konnte – der Faszination einer dissoziativen Störung sei dank.

Hintergrund der dissoziativen Störungen

So reizvoll diese Störung für Kreative der unterschiedlichsten Genres ist – diejenigen, die davon im Krankheitssinne betroffen sind, leiden oftmals seit Jahren darunter und/oder sind sehr allein mit ihrem Leiden. Das Wort „Konversion“ heißt, dass ein Prozess umgewandelt wird. Im Hinblick auf psychische Krankheiten bedeutet das: Ein seelischer Konflikt wird vom normalen Erleben abgespalten und äußert sich oft in körperlichen Symptomen, für die sich keine organischen Ursachen finden lassen. Bekannteste Beispiele sind Amnesien nach einem Unfall oder auch Lähmungen (Dissoziative Bewegungsstörung), um nur einige zu nennen.

Multiple Persönlichkeit ist umstritten

Unter F44.8 ist die Multiple Persönlichkeit zwar aufgeführt in der ICD (International Classification of Diseases), der von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) herausgegebenen Systematik für psychische Krankheiten – dennoch besteht noch kein grundlegender Konsens betreffend die Existenz dieser Störung. Wahrscheinlich liegt der Grund in dem sehr seltenen Auftreten der multiplen Persönlichkeit und der Schwierigkeit, diese Störung zu diagnostizieren.

 

Katrin Asmuß -Heilpraktikerin für Psychotherapie-