Schlagfertigkeit-Training

Nach einer erfolgten Kränkung wissen die meisten erst nachher, was sie jemandem hätten sagen müssen, können, sollen – im entscheidenden Moment fehlt es jedoch oft an der gewünschten Schlagfertigkeit. Doch die kann man erlernen, in speziellen Trainings.

Erste-Hilfe-Maßnahmen für mehr Schlagfertigkeit

Die simpelste Methode ist es immer, einfach abzulenken. Wenn der dreiste Jung-Chef einen wieder duzt, obwohl man das bitte nicht wünscht (zum derzeitigen Du-Wahn folgt später ein separater Text), könnte man einfach sagen: „Okay, wann und wo? Aber Sie (!!!) bezahlen!“ Wenn er sie irritiert anschaut, lässt man ihn einfach in Ruhe, denn es gehört sich nicht, Fragen zu beantworten, die einem gar nicht gestellt werden. Und wer will schon dem Chef zu nahe treten?! Falls er nachfragt, kann man spezifizieren: „Wir haben eine Menge miteinander ausgehandelt – das DU war nicht dabei. Für mich gehört dazu eine private Atmosphäre und keine dienstliche. Wünschen Sie (!!!) das wirklich?!“ Der Rest dieses Gespräch ergibt sich von selbst – denn jetzt sitzen Sie am Ruder, weil sie die Gesprächsführung übernommen und gleichzeitig Grenzen gesetzt haben… und das sogar sehr freundlich. Sein Papi hätte dem überforschen Sohnemann-Chef wahrscheinlich verbal eins auf die Mütze gegeben für die Unhöflichkeit, einfach so andere Leute zu duzen, wenn dieser Fauxpas in Papis Freundes- oder Geschäftspartnerkreis geschehen wäre.

Schlagfertigkeit bei sexuellen Anmachen

Das beste Beispiel für die angemessene Reaktion auf sexuelle Anmachen habe ich, ehrlich gesagt, außerhalb meiner Beratungspraxis gehört. In der Ausdrucksweise drastisch, aber umso deutlicher: Ein Klassenkamerad sagt einer Mitschülerin nach den Sommerferien: „Boah, hast du T***** gekriegt!“. Sie schaut mit kritischem Blick und gerunzelter Stirn an ihm herunter, bleibt mit ihrem Blick an seinem Genitalbereich haften und entgegnet: „Das darfst du mir erst sagen, wenn du dir hast einen S****** wachsen lassen!“ Das Gelächter aller Mitschüler (auch der männlichen) belohnte sie für ihre Direkheit. Es ist einer der ältesten Irrtümer der Menschheit, dass Männer das andere Geschlecht stets und ständig bewerten dürfen, egal ob sie selbst dickbäuchig, alt und häßlich sind. Hoffentlich räumt eine der kommenden Generationen endlich damit auf – oder glauben Männer etwa wirklich, dass Frauen allein ihre rasende Begeisterung für Fussball-Sport ausleben, wenn es eine WM oder EM mit lauter knackigen Typen auf dem Feld gibt? Diese eben genannte junge Pubertierende lässt jedenfalls auf bessere Zeiten mit jungen Frauen ohne Model-Berufswunsch hoffen.

Die obigen Beispiele und was dahinter steht

Und wenn man wirklich mal ganz intensiv überlegt, welche Situationen etwas grenzwertig sind im Kontakt mit anderen Menschen, stellt man fest, dass es zunehmend wichtiger wird, sich insbesondere vor verbalen Übergriffen zu schützen. Das ist zudem eine gute Prävention für schlimmere Situationen – je charmanter und entspannter (nicht desinteressiert oder gleichgültig!) man trotz allem bleibt, umso deeskalierender wirkt man auf Andere. Um die eigene Schlagfertigkeit effektiv zu trainieren, sind also sehr viele Aspekte nötig. In diesem Text sind ja schon einige genannt worden. Abschließend noch eine Leitlinie: Sofern man klare Meinungen hat (wie zum Beispiel jene, die ich im Laufe dieses Textes vertrete, wobei es mir tatsächlich völlig egal ist, wem und ob diese Anschauungen gefallen oder nicht) und wenn man obendrein mit diesen Meinungen völlig entspannt im Reinen ist, dann hat man schon mal entschieden weniger Blockaden im Kopf, um eine gewisse Schlagfertigkeit an den Tag legen zu können. Und das ohne große Aufregung, zur richtigen Zeit, am richtigen Ort, der richtigen Person gegenüber und mit einer adäquaten Verhaltensweise!

 

 

Anmeldung zum Training „Schlagfertigkeit“:

Früher war alles…

Wann auch immer man diese Worte sagt, beendet einfach jeder den Satz mit „…besser.“ Das scheint ein Automatismus zu sein. Gerade, wenn man vor dem Computer sitzt und sich bemüht, Hieroglyphen zu entziffern oder das Englisch-Deutsche Wörterbuch zücken muss, um überhaupt durchzublicken. Dieses ständige „Hej, wir haben sone coole Company (Anm. d. Verf.: gesprochen: kuhle Kompänni, übersetzt: kalte Firma) wie Facebook (Anm. d. Verf.: gesprochen: fäjssbuhk, übersetzt: Gesichtsbuch). Und duzen tun wir uns auch alle…“ Viele beneiden uns zwar um das förmliche „Sie“, das wir üblicherweise im Geschäftsleben verwenden – aber dazu später mehr, denn auch zu diesem Thema habe ich bereits einen Text auf der Trasse (ostdeutsch für „in der Pipeline haben“).

 

Vom Früher zum Heute

Dieser Früher-War-Alles-Besser-Satz kommt unter anderem deshalb so flüssig über aller Leute Lippen, weil er schon alt ist. Quasi ein Relikt aus der tiefsten Vergangenheit. Was logischerweise heißt, dass es der Generation vor uns bereits so ging, der Generation vor der Generation vor uns und so weiter.

Und in diesem Zusammenhang könnte es spannend sein, sich einfach mal die letzten 100 bis 150 Jahre zu betrachten.

Ohne chronologische Gewähr folgt hier mal eine kleine Aufzählung, die um ..zig Alltagsgegenstände, wissenschaftliche Entdeckungen usw. erweitert werden kann: Radio, (Farb)Fernseher, Schreibmaschine, Telefon, Auto, Waschmaschine, Computer, die einigermaßen normale Behandlung von Frauen, Homosexuellen und anderen Kohorten, die vom weißen Mann als „Randgruppe“ bezeichnet werden, Geburtenregelung – bis ins Weltall hat die Menschheit es geschafft, bis auf den Mond!

Und das soziale Leben wurde zudem sehr massiv durch die Industrialisierung und die Massenproduktion verändert. Nicht unbedingt zum Guten, wenn man nicht nur die so genannte Erste Welt berücksichtigt, sondern tatsächlich global und wirklich ganzheitlich denkt.

 

Die Gegenwart

Die Entwicklung, die das vermeintlich intelligenteste Wesen, also der Mensch, hingelegt hat, ist so rasant, dass in jeder Generation zunehmend das Erlernen neuer Fähigkeiten und Fertigkeiten in den Mittelpunkt gerät. Hierzu forscht zum Beispiel die Psychologie in Zusammenarbeit mit anderen wissenschaftlichen Disziplinen.

Die neuen Arbeitsbedingungen verursachen neue gesundheitliche Probleme und soziales Konfliktpotenzial. Die Fortschritte in der Medizin haben zur Folge, dass die Menschen in der so genannten zivilisierten Welt immer älter werden – und damit wiederum neue Krankheiten erforscht und behandelt werden müssen. Auch hier könnte die Aufzählung noch beliebig weitergehen, Stichwort: Zivilisationskrankheiten.

Das Meer an Informationen ist längst nicht mehr zu verarbeiten. So ist es auch kein Wunder, dass Angststörungen weiter auf dem Vormarsch sind.

 

Des Rätsels Lösung

Wir haben es heute nicht schwerer als die Generationen vor uns. Wir befinden uns im gleichen Kreislauf. Eventuell könnte es etwas schwerer zu verkraften sein, dass stets die selben Fehler wiederholt wurden und werden, die eigentlich aus den Geschichtsbüchern hinlänglich bekannt sind. Und neue Probleme noch dazu addiert werden. Das überfordert viele Menschen.

Und bei aktuellen Schwierigkeiten, wie banal oder weitreichend sie auch immer sind, ist es Tatsache, dass man sich gern an Gewohntem und Vertrautem festhält. Das gibt Sicherheit, das ist es, was man schon kennt, das man beherrscht und worin man Frau oder Herr der Lage ist. Nach dem Motto: „Da kann mir keiner was“ oder eben „Früher war alles besser“.

51NZhCvp34L._AC_SR98,95_-2Der einzige Schlüssel zum Bewältigen dieses Problems ist das Lernen. Zu mehr Optimismus verhelfen neue Ideen und Modelle – die von Jeremy Rifkin, um nur ein Beispiel von vielen zu nennen. Im Gegensatz zu den Machthabern in dieser Welt, die weniger Politik machen, diese jedoch mit zunehmend perfideren Strategien verkaufen, sind Pioniere wie Rifkin die wahren Helden unserer Zeit, weil sie tatsächliche Veränderungen erforschen und zur Diskussion stellen. Auf diese Weise wird den stumpfen Verfechtern des ewig Gestrigen wirksam die Basis entzogen und es folgt die Schaffung  lohnenswerter Perspektiven – so macht dann Lernen auch wieder Spass und eine ehrliche Freude am Neuen entsteht.

Katrin Asmuss

 

„Keine E-Mail für Dich“ von Franziska Kühne

Fast zögerlich werden die Leser auf das eingestellt, was ihrer in dem Buch „Keine E-Mail für Dich“ von Franziska Kühne harrt. „Warum wir trotz Facebook&Co. vereinsamen“ lautet der Untertitel auf dem Deckblatt des Buches. Direkt darunter ist grafisch ein Sofa dargestellt mit der Aufschrift „Aus dem Alltag einer Therapeutin“.

Den Einstieg bietet dann auch gleich das erste Kapitel über die vielen unterschiedlichen Kommunikationsmöglichkeiten, mit denen wir heutzutage Kontakt halten. Das Telefon ist längst nicht mehr nur Telefon, der Computer ermöglicht via Skype & Co. gleich noch den Rest. Und schon im ersten Absatz wird die Existenz sozialer Netzwerke oder von Online-Dating-Portalen mit der Frage verknüpft, inwiefern diese wirklich „sozial“ sind.

Schattenseiten und ihre Folgen
Jeder kann mit jedem auf allen Kanälen kommunizieren. Die Autorin erläutert in kurzen Zusammenhängen die Tücken dieser vermeintlichen Vereinfachung derart deutlich, dass so manche Lesende einen Aha-Effekt in ihrem tiefsten Inneren angesichts dessen erleben, was sie nur zu gut von sich selbst kennen. Das Zuhören bleibt zum Beispiel auf der Strecke, denn man kann sich parallel zueinander über Themen austauschen. Konflikten muss man sich nicht aussetzen, man geht einfach „off“. Mimik und Gestik fallen vollständig weg und können nur mit vorgegebenen Einheitszeichen symbolhaft und unzureichend dargestellt werden. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist schlichtweg die Zeit.

Oft übernimmt das Smartphone mit akustischen Signalen über die neusten Meldungen aus Twitter, Facebook und E-Mail-Account die Regie über persönliche Treffen. Ein zweifelhafter Vorteil ist weiterhin, das geplante Aktivitäten in der Realität schneller mal eben abgesagt und/oder verschoben werden können, weil ja jeder stets überall erreichbar ist.

Psychotherapie im Zeichen des Internets
Nicht erst seit Cybermobbing und -stalking benötigen die Menschen die Hilfestellung von Therapeuten im Umgang mit den neuen Medien. Der Wandel von sozialen Interaktionen derart drastisch weiter entwickelt, weil unter anderem die Schamgrenze durch die Anonymität im weltweiten Netz gesunken ist oder Reaktionen der Mitmenschen zeitlich verzögert erfolgen. Und dass die Selbstdarstellung immer eine andere ist als das, was andere Leute wahrnehmen, ist hinlänglich bekannt. So berichtet Franziska Kühne, die ihre psychotherapeutische Praxis in Berlin hat, über die Auswirkungen von Skype-Beziehungen (statt Fernbeziehungen), die Ermöglichung von permanenter Kontrolle und sogar Überwachung, den Verlust von körperlicher Nähe und ähnlichen Neuerscheinungen im Internet-Zeitalter auf die zwischenmenschlichen Kontakte.

Bei der Lektüre kommt man schon ins Grübeln angesichts so mancher Überschriften wie zum Beispiel die des Kapitels „Hund-Napf, Mensch-Computer“. Hier wird gleich zu Beginn das Prinzip der Pawlowschen Hunde erklärt und auf den Umgang der Menschen mit ihren Computern übertragen. Auch anhand zahlreicher aktueller Studien veranschaulicht Franziska Kühne, die selbst in Facebook usw. präsent ist, wie wichtig die Selbstreflexion, das tiefe Auch-Mal-Durchatmen inmitten der Informations- und Kommunikationsflut ist. So berichtet sie über eine Klientin, die ihrem Freund eine SMS schickt, die er nicht beantwortet. Bis sie sich im Laufe des Tages so zerfleischt hat, dass sie ihm schließlich eine böse Schlußmach-SMS sendet, bevor er es tut. Ihr Freund meldet sich nachts völlig erschöpft bei ihr zurück mit der Bemerkung, dass sie doch von seinem Dienst am Messestand gewusst hätte.

Kopfkino kontra Realität
Eine andere Frau wollte bei einem männlichen Chatpartner durch eine zusätzliche SMS nicht den Eindruck erwecken, dass sie durch zu viel texten „etwas von ihm wolle“, wodurch der Kontakt schließlich komplett abbrach. Das Kino im eigenen Kopf ist wohl das beste Beispiel für die Auswirkungen auf jene Menschen, die nicht mehr in der Realität miteinander umgehen, sondern nur noch mittels Maschinen. Neben anderen psychischen Störungen könnten sich so Depressionen bald noch rasanter als Krankheitsbild Nummer Eins etablieren.

Kein Jugendlicher kommt heute mehr ohne Facebook aus, denn es ist zu einem wichtigen Teil der Sozialisierung geworden. Genau deshalb gilt die Generation, die mit dem Internet aufwächst, als diejenige, die davon den wirklichen Wert abschöpfen könnte. So die These der Gegenwart.

Kühne bietet gleichermaßen einen Ratgeber und informative Unterhaltung
Wer keine Angst davor hat, hier und da mal den Spiegel vorgehalten zu bekommen, oder wer sich selbst einschätzen, kontrollieren oder gar Auswege aus einer möglichen Internetsucht finden möchte, sollte das Buch von Franziska Kühne unbedingt lesen. Neben ganz alltäglichen Geschichten, Fällen aus ihrer Praxis, die teilweise unterhaltsam, so manches Mal allerdings auch erschütternd sind, regt „Keine E-Mail für dich“ tatsächlich zum Nachdenken oder Überdenken der eigenen Gepflogenheiten bezüglich der Nutzung der unterschiedlichen Kommunikationsmittel an.

Dieses Buch wäre durchaus als Pflichtlektüre geeignet – bestenfalls, noch bevor man sich in die soziale Interaktion via Internet begibt.

Tag & Nacht, 2012, 190 Seiten, Paperback, Preis: 14,99 €, ISBN: 978-3-442-83011-4

Katrin Asmuss