Psychohygiene, Teil I

Sicherlich kann der gesunde Menschenverstand recht schnell mit dem Wort Psychohygiene einiges assoziieren. Mit diesen gedanklichen Verbindungen liegen die meisten Leute auch völlig richtig: Gedanken einfach richtig ablegen, ihnen nachhängen und manche beiseite legen – das Gehirn aufräumen, reinigen und so weiter. Das Gebiet der Psychohygiene ist sehr weit gefächert, deshalb hier nur ein erster Einstieg zur Selbstbeobachtung oder auch einfach nur zur Kenntnis – wie auch immer.

Grundlegende Psychohygiene

Ein gemütliches Beisammensein mit Freunden, Probleme ansprechen und diskutieren, aber einfach auch mal über den nervigen Alltag herummeckern und sich gründlich selbst bedauern – das sind einige der wichtigsten Bausteine der Psychohygiene. Keiner mag die „Hobby-Opfer“ oder diejenigen, die sich permanent in ihrer Selbstherrlichkeit darstellen. Das ist der Tatsache geschuldet, dass alles, was man übertreibt, sowieso immer in das Gegenteil umschlägt oder krasser formuliert: Alles, was übertrieben wird, birgt (Krankheits-)Gefahren in sich. Soll heißen: Sich selbst mal einfach mal loben für eine gute Leistung oder sich in eine Ecke verziehen und alle anderen Menschen im sozialen Umfeld einfach nur doof finden, sind nicht nur völlig normale Verhaltensweisen – im Gegenteil, wer so etwas ab und zu mal zelebriert, reagiert sich optimal ab und erhält sich dabei durchaus gesund. Der eine latscht parallel dazu ..zig Stunden durch den Wald, die nächste joggt, wiederum andere lesen ein Buch oder starren einfach nur in die Luft und freuen sich. So banal und erfüllend kann Glück sein.

Übertreibung und Authentizität

Wie oben schon geschrieben: Vorsicht vor Übertreibung. Sehr gut kann man das illustrieren an dem Zuviel in unserer Industriegesellschaft. Zu jeder Zeit ist alles verfügbar, sofern das nötige Kleingeld da ist. Umso größer ist kurioserweise die Freude, wenn die Erdbeerzeit anbricht oder endlich wieder Spargelsaison ist, um nur zwei Beispiele zu nennen. Ähnlich verhält es sich mit Menschen, die ständig einfach nur gut drauf sind. Ein paar Mal ist das toll, man läßt sich gern anstecken und genießt den Strudel guter Stimmung, in den man mit hineingerissen wird. Alles positiv, alles schick, alles toll – da geht auch dem passivsten Menschen irgendwann die Hutschnur hoch. Weil: Das ist nicht das Leben. Es gibt immer Hoch´s und Tief´s und Hell und Dunkel…usw. Dafür gibt es viele Metaphern von „Himmel und Hölle“ bis „Ying und Yang“. Tatsache bleibt: Wer durchweg nur mit traurigem Gesicht und leidend durch die Pampa latscht, nervt uns irgendwann eben so wie diejenigen, die ständig guter Laune sind. Da fehlt schlicht und ergreifend die Authentizität, um nicht zu sagen: die Normalität, die Ausgewogenheit.

Bauchgefühl und Heilsversprechen

Aus oben genannten Gründen sollte man durchaus kritisch – nicht pessimistisch – durch die Welt laufen und sich vor denen schützen, die versprechen, dass sie alle Probleme lösen und das auch ganz schnell. Da ist sie nämlich wieder – die Übertreibung. Der Glaube, woran auch immer, mag eine gute Stütze für manche Menschen sein. Doch letztendlich bewahrt einen immer nur der gesunde Menschenverstand vor falschen Entscheidungen oder Situationen… und selbstverständlich auch vor Menschen, die einem nicht guttun oder sogar schaden. Das Bauchgefühl ist die erste Entscheidungsstütze, die zweite der gesunde Menschenverstand. Das Verdienst der Wissenschaft besteht auch für Normalo´s in der Neigung, Dinge zu überdenken. Der einfachste Weg anhand des Beispiel bei einer größeren Geldausgabe: Das, was der Verkäufer mir gesagt hat, in Ruhe daheim überprüfen (oder in neudeutsch: googeln), mit engen Vertrauten besprechen und dabei durchaus auch die eigenen Standpunkte noch mal sehr kritisch in Frage zu stellen. Und immer daran denken: Verkäufer sind nicht nur in Läden oder vor der Wohnungstür und am Telefon zu finden, die Seelenverkäufer sind definitiv die schlimmere Variante!

Denken und Bewegung

Sehr wichtige Grundlage für die Psychohygiene -wie für alles andere- ist die Bewegung. Auch das Gehirn ist einfach nur ein Körperteil, das durchblutet wird und in dem haufenweise Prozesse passieren, die uns das Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Tasten… und noch ..zig andere Vorgänge ermöglichen. Ob nun Joggen oder Spazierengehen: Wohl jede/r von uns kennt den Zustand bei entsprechend langer oder intensiver körperlicher Aktivität, in dem man nicht mehr denkt, sondern einfach nur da ist. Wie bei allen körperlichen Vorgängen sollte man genauer hinschauen und sich rechtzeitig von Überforderung schützen. Nachteil beim Gehirn: Man hat beispielsweise keinen Muskelkater, der einen deutlich spürbaren „Warnschuss“ vorab sendet. Hier kann nur jede/r für sich entscheiden, wann eine Pause angesagt ist und man sich einfach mal rausnimmt aus seinem sozialen Umfeld (inklusive Facebook & Co!!!).

…Fortsetzung folgt…

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Warum „SheForHe“ Frauen mehr helfen könnte als „HeForShe“

Gastbeitrag von Tsima Bolik

Kennen Sie den schon?

Nach der Arbeit fährt eine Reinigungskraft ihre Kinder holen und geht kurz einkaufen. Zu Hause sieht sie eine völlig unbekannte Frau im Höschen im Schlafzimmer. Doch anstatt empört zu reagieren, sagt sie „Hallo Schatz, wie war Dein Tag“ und erklärt entschuldigend, warum sie so früh nach Hause kommt. Was ist die plausibelste Erklärung für diese Reaktion?


„HeForShe“ heißt eine Solidaritätskampagne, die sich für Gleichstellung von Frauen und Männern engagiert. Doch warum kommt diese so schleppend voran? Wenn man beispielsweise die geringen Frauenquoten in technischen Studiengängen (z.B. 7% in Mechatronik) betrachtet, dann könnte man meinen, die Emanzipation kämpfe gegen Windmühlen. Sind diese zu stark? Oder könnte es auch sein, dass bestimmte Windmühlen zu wenig beachtet werden?
Vieles spricht dafür, dass es dem Feminismus paradoxerweise dienlicher wäre, weniger über moderne Frauen und mehr über moderne Männer nachzudenken:

 

Eine einfache Erklärung – pinke und blaue Sitze

Stellen wir uns einen Saal vor, in dem 50 Frauen auf pinken Stühlen Platz nehmen, und 50 Männer auf blauen Stühlen. Bis irgendwann einige Frauen zu der Ansicht geraten: „Pinke Stühle sind ja ganz nett – aber ein blauer wäre mir lieber.“ Die Männer hingegen bleiben bei der Ansicht: „Ein pinker Stuhl? Ich? Auf keinen Fall!“. Was wäre in diesem Szenario diejenige Aufteilung, die möglichst wenig Menschen unglücklich machen würde?
Es wäre genau die gleiche Aufteilung wie bisher. Frauen auf pink, Männer auf blau. Denn bei jedem Tausch würde zwar eine Frau ein bisschen glücklicher, aber dafür ein Mann wesentlich unglücklicher. Stillstand ist
die reibungsärmere Variante.
Nun stehen bei diesem Gleichnis pinke Stühle für Hausarbeit, Kinderbetreuung, Geringverdienst und weniger berufliche Selbstverwirklichung, während auf blauen Stühlen die Ernährenden mit Vollzeitjob und Überstunden sitzen. Ignorieren wir für einen Moment, dass es (zum Glück) auch blau-pinke Mischformen gibt, lässt sich das  Verteilungsproblem übertragen: Solange den meisten Männern die pinken Stühle unattraktiv erscheinen, wird es bestenfalls Frauen geben, die sich einen blauen Stuhl erkämpfen. Wer aber statt Geschlechterkampf ein harmonisches Miteinander wünscht, der braucht für eine reibungsfreie, gerechtere Verteilung mehr Männer, die auf pinken Stühlen sitzen wollen.
Doch warum gibt es so wenige, und wie lässt sich das ändern?

 

Die Männer sind schuld!

Öfter als wir es uns eingestehen wollen, nehmen wir traditionelle Rollenbilder als selbstverständlich an – und sind im Umkehrschluss nicht bereit für neue Wege. Beispielsweise ist die Anzahl der Männer, die sich zur Betreuung eines kranken Kindes beurlauben lassen, immer noch deutlich niedriger als die der Frauen – da guckt der Chef ja auch nicht so komisch.

Ein Beispiel hierfür erfuhr ich selbst, als ich bei meinem Diplombetreuer um mehr Zeit bat. Der Grund war, dass meine Partnerin Studium und Job gleichzeitig schultern musste, und unser Sohn Aufsicht brauchte. Ich erntete einen mitleidigen Blick, und drei Minuten später den Ratschlag „Machen Sie Ihrer Frau klar, dass Sie in den nächsten fünf Wochen nicht zur Verfügung stehen“. Und obwohl mein Betreuer eigentlich eine nette Person war, hatte dieser Satz beide Geschlechter gleichzeitig arrogant vor den Kopf gestoßen – die Frau, die sich gefälligst ums Kind zu kümmern hat, und den Mann, der das mit der Kinderaufsicht ja wohl hoffentlich nicht ernst gemeint hat.
Falls wir Männer doch mal in eine weiblichere Rolle geraten, ist das ein Auswärtsspiel, wo uns mangelndes Selbstbewusstsein hemmt. Wie schnell dieses von 100 auf 0 in den Keller rutschen kann, musste ein Kollege von mir erfahren, der seiner Dozentin angetrunken zu verstehen gab, dass man bei den Teamsitzungen ihr unter den Rock schauen konnte, wenn sie auf dem Barhocker saß – dass ihm der Anblick aber gut gefiel. Seine Selbstsicherheit wurde dann mit einer Ohrfeige auf den Boden geholt, und per Mail bestätigte die Dozentin nochmal, die Ohrfeige sei berechtigt gewesen. Sie wurde nicht weiter verfolgt – aber was wäre umgekehrt gewesen, hätte eine Studentin einem Professor anzügliche Komplimente gemacht, dieser hätte sie geohrfeigt und dann auch noch per Mail seine Handlung als richtig bezeichnet? Er hätte genauso gut seine Kündigung mailen können. Kaum eine Studentin würde das durchgehen lassen, zumal mit Beweismittel. Aber wo gibt es einen Männerbeauftragten, der den Geohrfeigten unterstützt? Zumindest nicht an der TU Berlin.
Beide Beispiele zeigen, dass wir Männer Schwierigkeiten haben, vermeintlich schwächere Rollen einzunehmen, womit wir bei einem dritten Problem wären: Männliche Rollen sind bequemer. Am Ende des Tages rudern wir dann doch lieber nicht gegen den Strom subtiler Hindernisse und tendieren öfter zu klassischen beruflichen und sozialen Verhältnissen. Die Ausnahmen bestätigen hier die Regel, machen aber noch keine Quote.
Die Bequemlichkeit herkömmlicher Konstellationen ist wiederum ein Hindernis in der Partnerfindung für beruflich erfolgreiche Frauen – denn jene Männer, die zum einen ihren Ansprüchen gerecht werden, und zum anderen selbstbewusst genug sind, der Geringverdiener in der Partnerschaft zu sein, sind noch rar.

 

Die Frauen sind schuld!

Natürlich sind es nicht nur Männer, die ihrer eigenen Modernisierung im Weg stehen – auch viele Frauen, ironischerweise oft die emanzipiertesten. Denn das Belächeln von Hausfrauentätigkeiten, welche in den Augen mancher Vorstandschefin die geringere Leistung oder Selbstverwirklichung bedeuten, geht nach hinten los. Dabei ist diese Haltung verhandlungsstrategisch ein grober Patzer: Wer einen pinken gegen einen blauen Stuhl tauschen will, ist ziemlich schlecht beraten, über pinke Stühle zu lästern. Das Gegenteil könnte vielleicht Wunder wirken, aber wie oft findet man die selbstbewusste Hausfrau, die ihr Leben zwischen Kindern und Küche genauso spannend darstellt wie ihr Gatte, der im Betrieb sechsstellige Summen unter Hochdruck verwaltet? Es wäre jedenfalls falsch, eine solche Dame als Bremse feministischer Ziele zu diffamieren. Denn Werbung für pinke Stühle gibt es viel zu wenig. Und wenn von beiden Geschlechtern die blauen Sitze als attraktiver wahrgenommen werden, dann gibt es nur noch zwei Alternativen: Geschlechterkampf und/oder Stillstand.
Falls sich dann doch mal ein Mann findet, der sich in traditionell weiblichen Disziplinen versucht, trifft ihn oft fehlendes Zutrauen: viele Frauen sind beispielsweise überzeugt davon, in punkto Intuition und Multitasking ihrem Partner überlegen zu sein. Was wichtige Voraussetzungen für Mutter-Tätigkeiten sind.
Interessanterweise konnte aber die Psychologie bis heute nicht belegen, dass Männern hier irgendeine Minderbegabung angeboren wäre; Intuition und Multitaskingfähigkeit sind je nach Situation anders ausgeprägt, und schlicht eine Frage des Trainings. Die falsche Überzeugung, dass auf diesen Gebieten Frauen unweigerlich überlegen wären, ist aber bei beiden Geschlechtern verbreitet.
Das größte Emanzipationshemmnis produzieren Frauen möglicherweise durch ihr Partnerwahlverhalten. Ein Journalist erlaubte sich den Spaß, mit haargenau dem gleichen Profil bei einer Partneragentur zweimal auf Partnersuche zu gehen, wobei er nur ein kleines Detail änderte: das erste Mal war er vorgeblich Erzieher, das zweite Mal Pilot. Letzterer bekam deutlich mehr Zuschriften. Brisant war vor allem, dass von den Frauen mit akademischer Ausbildung und Kinderwunsch keine einzige dem Erzieher geschrieben hatte, aber Dutzende dem Piloten. Und diesen Damen hätte ich wirklich gerne die provokante Frage gestellt: „Sacht mal, meint ihr das mit der Vereinbarkeit von Kind und Beruf eigentlich ernst?“ Wenn ja, dann gibt es doch kaum etwas besseres als einen Erzieher als Vater! Er ist vom Fach, vor Ort, und vielleicht eher noch zu einer Elternzeit zu bewegen als ein Manager. Und garantiert eher als ein Pilot, der sicher nicht das kranke Kind spontan von der Kita abholt, wenn sein Flieger in Rio gelandet ist. Auf den Punkt gebracht: Solange sogar Frauen, die Kinder wollen und eigentlich selbst genug verdienen könnten, viel lieber Piloten als Erzieher zum Parnter hätten, werden die Männer pinke Stühle nur unfreiwillig besetzen. Oder gar nicht.

 

Wir alle machen den Wind

Es wäre natürlich bequem, die Forderung nach Änderung allein den Institutionen zu überlassen: Die sollen doch bitte Männerbeauftragte einführen, Schwangerschaftskurse für Männer, das Thema in die Medien bringen usw. Der Bund gibt Millionen aus, um Frauen blaue Stühle schmackhaft zu machen – die Umkehrung könnte wirkungsvoller sein.

Es ist aber nicht nur Aufgabe des Staates, wenn moderne Frauen und Männer gegen Windmühlen kämpfen. Deren Wind ist keine Naturgewalt, sondern die Summe der vielen kleinen Meinungen und Entscheidungen im Alltag. Hier sind zwei Gruppen gefordert: Frauen und Männer.
Ein Stück weit müssen wir uns alle eingestehen, dass in unseren Gehirnwindungen alte Denkmuster stecken, die wir nicht von heute auf morgen abschütteln werden. Wer aber eine Welt möchte, in der der Kopf und nicht das letzte Chromosom über den Beruf entscheidet, sollte sich nicht nur für Frauen in Technikberufen, sondern auch für Männer auf dem Spielplatz stark machen. Und dies unterstützt man, indem man zum Beispiel
• interessierte Fragen stellt, wenn jemand von seiner Phase als Hausmann erzählt
• sich selbst hinterfragt, ob man typisch weibliche Lebensmuster gleichermaßen schätzt und spannend findet
Wer derlei Mindsets verinnerlicht, sollte auch die Lösung unserer Eingangs-Scherzfrage finden: Die Reinigungskraft ist ein Mann, die Unbekannte ist eine Freundin der Frau, und wollte sich eine Hose leihen.

UNSTATISTIK VOM 28.07.2017: Quote ist nicht gleich Quote

(PM) Quote ist nicht gleich Quote: Die Unstatistik Juli ist die Berichterstattung über das Thema „Frauen in Führungspositionen“ Anfang des Monats, beispielsweise auf welt.de („SPD droht mit Ausweitung der Frauenquote“). Ursache dieses Interesses waren neben neuen Studienergebnissen insbesondere eine gemeinsame Pressekonferenz von Bundesfamilienministerin Katarina Barley und Bundesjustizminister Heiko Maas, in der eine erste Bilanz des im Mai 2015 in Kraft getretenen „Gesetzes für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen“ gezogen wurde. Dieses Gesetz sieht für börsennotierte und mitbestimmungspflichtige Unternehmen eine feste Quote von 30 Prozent Frauenanteil für neu zu besetzende Aufsichtsratsposten vor. Sowohl die Vertreter der Bundesregierung als auch die Medien berichteten, dass dieses Ziel nahezu erreicht sei, da der Frauenteil in den betreffenden Aufsichtsräten von 25 Prozent im Jahr 2016 auf aktuell 28,1 Prozent gestiegen sei.

Doch die Aussage, dass die bis 2020 zu erfüllende Frauenquote in Aufsichtsräten fast schon erreicht ist, ist falsch. Vielmehr liegt bis zur Zielerreichung wahrscheinlich noch ein langer Weg vor uns. Wo liegt der Fehler? Die gesetzlich festgelegte Quote gilt tatsächlich nicht, wie obige Aussagen vermuten lassen, für die Aufsichtsräte als Gesamtheit, sondern für jedes einzelne Unternehmen. Der Anteil der Frauen an allen Aufsichtsräten der betroffenen Unternehmen liefert damit keinerlei Aufschluss über die Zielerreichung des Gesetzes. Hierfür müsste man vielmehr den Anteil derjenigen Unternehmen betrachten, die diese Quote erfüllen. Die auf der Homepage des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) veröffentlichten Daten zeigen, dass aktuell nur 51 der 105 (also knapp 49 Prozent) gelisteten Unternehmen die 30-Prozent-Quote bereits erfüllen (s. https://www.bmfsfj.de/quote/daten.html). Dabei verdeutlicht das Ministerium zwar die Gesamtentwicklung des Frauenanteils in Aufsichtsräten zwischen 2015 und 2017 in einer schön animierten Graphik. Die eigentlich relevante Zahl – die Entwicklung der Anzahl der Unternehmen, die die 30%-Quote erfüllen – lässt sich mit den zur Verfügung gestellten Daten jedoch nicht nachvollziehen.

Jetzt mal richtig gerechnet oder: Einfach nur der Mittelwert

Wenn alle Unternehmen inzwischen 28,1 Prozent Frauenanteil im Aufsichtsrat hätten, dann wäre die 30-Prozent Quote auch wirklich in greifbarer Nähe. Jedoch lebt diese Zahl von jenen Unternehmen, welche bereits einen sehr hohen Anteil haben, was das Problem bei vielen anderen verdeckt. Beispielsweise hat Bilfinger eine Frauen-Quote von 50 Prozent (sechs Frauen von zwölf), während Porsche eine Quote von 0 Prozent (0 Frauen von 12) hat.

Fazit: Eine mittlere Quote ist eben nur ein Mittelwert.

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Ansprechpartner:

Prof. Dr. Thomas K. Bauer,                    Tel.: (0201) 8149-264
Sabine Weiler (Pressestelle RWI),          Tel.: (0201) 8149-213

Für seine Anregung zu dieser Unstatistik ein herzliches Dankeschön an Herrn Johannes Henke von der Ruhr-Universität Bochum (RUB). Mit der „Unstatistik des Monats“ hinterfragen der Berliner Psychologe Gerd Gigerenzer, der Dortmunder Statistiker Walter Krämer und RWI-Vizepräsident Thomas K. Bauer jeden Monat sowohl jüngst publizierte Zahlen als auch deren Interpretationen. Alle „Unstatistiken“ finden Sie im Internet unter www.unstatistik.de .

AKTUELLE MELDUNG ZUR DIAGNOSE „ANHALTENDE TRAUERSTÖRUNG“

Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Pallativmedizin zur Einführung der Diagnose einer anhaltenden Trauerstörung in der ICD-11: Die WHO plant mit der Neufassung ICD die Einführung der Diagnose einer „anhaltenden Trauerstörung“, um trauernden Menschen, welche so schwer betroffen sind, dass eine Störung mit Krankheitswert vorliegt, sowohl in Bezug auf die Anerkennung der Diagnose als auch in Bezug auf Zugang zu einer fachgerechten und von den Kostenträgern finanzierten Behandlung gerecht zu werden. Dieses Vorhaben hat teilweise kritische Reaktionen hervorgerufen. Es werden Bedenken formuliert, ob es wissenschaftlich zu rechtfertigen sei, eine Form von Trauerreaktion als Störungsbild zu definieren, dass eine solche Diagnose zu Pathologisierung von Trauer allgemein führen könne, dass dadurch eine Normierung von Trauer entstehen könne und dass sich dies auf den Umgang mit „normal Trauernden“ auswirken könne.

Als wissenschaftliche Fachgesellschaft, die durch Multiprofessionalität geprägt ist, möchte die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin dieses Thema sachlich und wissenschaftlich fundiert unter Einbeziehung der unterschiedlichen Perspektiven verschiedener Berufsgruppen bewerten.

Normalität von Trauer in der Gesellschaft stärken

Unabhängig von der Einführung einer spezifischen Trauer-Diagnose gilt es, in gesellschaftlicher Hinsicht nicht nur Tod und Sterben, sondern auch Trauer zu enttabuisieren. Der Stellenwert von Trauer in einer funktionalistischen, technisierten und individualisierten Gesellschaft soll gestärkt werden. Trauernde sollen wieder einen Platz in dieser Gesellschaft bekommen – ohne Berührungsängste, mit Verständnis, Würdigung und Fürsorglichkeit.

Trauer braucht Zeit und Raum – die meisten trauernden Menschen durchlaufen diese Zeit und diesen Raum mit Unterstützung und in Begleitung von Familienangehörigen und Freunden. Andere finden in der Trauerbegleitung in ihren vielfältigen Formen durch Ehrenamtliche und Hauptamtliche oft wirkungsvolle Unterstützungsmöglichkeiten.

Trauer stellt eine natürliche Reaktion dar: Sie ist eine menschliche Kompetenz, eine normale und hilfreiche Emotion, der Akzeptanz, Wertschätzung und Unterstützung seitens der Gesellschaft zusteht. Allerdings kann Trauer auch so schwerwiegende und stark belastende Folgen haben, dass der Trauerprozess dann in eine Störung einmünden kann, die einer therapeutischen Unterstützung bedarf.

Der Diskurs über Normalität und Krankheit in Bezug auf Trauer

Aus Sicht der DGP lässt sich Trauer deshalb nicht kategorisch als normal beschreiben und grundsätzlich von „psychischer Krankheit“ abgrenzen. Es gibt Formen des Trauerns, die sich – ebenso wie anderes Erleben und Verhalten – extrem dysfunktional in Bezug auf die Lebensführung auswirken können. In den Krankheits-Klassifikations-Systemen (DSM und ICD) wird bei solch ausgeprägter Dysfunktionalität von einer „psychischen Störung“ gesprochen und eben nicht von „psychischer Krankheit“. Diese Begrifflichkeit bringt zum Ausdruck, dass nicht der betroffene Mensch insgesamt als krank verstanden wird, sondern Ausprägung und Form seines Erlebens und Verhaltens in Bezug auf bestimmte Inhalte mit einer selbstbestimmten und der Gesundheit zuträglichen Lebensführung nicht mehr vereinbar sind, er in seinem Lebensfluss mithin „gestört“ ist. Im Gegensatz zum „psychisch Kranken“ ist der „Mensch mit psychischer Störung“ nicht qualitativ unterschieden vom „gesunden“ Menschen.

Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin zur Einführung der Diagnose einer anhaltenden Trauerstörung in der ICD-11 (Stand: Juli 2017)

Eben dieses Verständnis von „psychischer Störung“ ist allerdings in weiten Teilen unserer Gesellschaft wohl weniger etabliert. Immer noch ist die Angst weit verbreitet als „nicht normal“ zu gelten. Die Diagnose einer psychischen Störung und deren Behandlung werden daher oft tabuisiert.

Wenn auch das Bestreben, den gesellschaftlichen Stellenwert von Trauer zu stärken, richtig und wichtig ist, zielt der Weg dies immer durch Abgrenzung von vermeintlich „wirklich“ krankhaften Zuständen vorzunehmen in eine falsche Richtung. Statt Trauer undifferenziert kategorisch als „gesund“ zu bezeichnen, gilt es, die oft negativ stigmatisierende Bewertung und Einordnung psychischer Störungen per se zu hinterfragen.

„Trauerstörung“ in der Forschung

Auch wenn die Gefahr der Pathologisierung von Trauer unter Trauerforschern kontrovers diskutiert wird, besteht doch weitgehend Einigkeit darüber, dass es Trauerverläufe gibt, die dysfunktional und somit auch behandlungswürdig sind. Die verwendete Begrifflichkeit ist zwar uneinheitlich (pathologische Trauer, komplizierte Trauer, verzögerte Trauer, anhaltende Trauer, traumatische Trauer, Risikotrauer), aber es gibt eindeutige Hinweise für die Sinnhaftigkeit und Klarheit eines abgegrenzten Störungsbildes einer „komplizierten Trauer“. Denn diese unterscheidet sich klar von den Störungsbildern der Depression und von Angststörungen (Prigerson, 1996).

Die momentan angestrebte Bezeichnung „anhaltende Trauerstörung“ mag zu einer Fehlinterpretation verleiten: Damit ist nicht gemeint, dass jede länger anhaltende Trauer eine psychische Störung ist!

In Hinblick auf die Einführung der Diagnose in die ICD-11 ist eine Studie von Prigerson et al. (2009) relevant, in welcher die Diagnosekriterien erarbeitet wurden. Die Studie wurde gemeinsam mit etlichen namhaften internationalen Trauerforschern durchgeführt, die Ergebnisse finden somit breiten Konsens in der Trauerforschung. Die Kenntnis dieser Studie ist hilfreich, um Missverständnisse aufzuklären, die in der aktuellen Diskussion immer wieder in der Argumentation auftauchen. Zwei Aspekte sollen kurz erläutert werden:

1. Das Leitsymptom „Sehnsucht“ wird als brennendes Verlangen, als Ausdruck tiefen Trennungsschmerzes beschrieben. Es muss täglich auftreten bzw. das Leben deutlich beeinträchtigen und zwar über eine sehr lange Zeit hinweg. Der Stellenwert als Leitsymptom ergab sich aus den statistischen Analysen: Der Zusammenhang zwischen Trennungsschmerz und komplizierter Trauer war durchweg sehr hoch.

2. Das Zeitkriterium von mindestens 6 Monaten bedeutet nicht, dass jede Trauer, die länger als sechs Monate andauert, als pathologisch einzustufen sei. Sondern, dass diejenigen, die nach 1–2 Jahren eine sehr hohe Belastung aufweisen, frühestens sechs Monate nach dem Tod durch Tests zur Risikoeinschätzung zur Entwicklung einer komplizierter Trauer „herausgefiltert“ werden können. In den ersten sechs Monaten nach einem Todesfall kann also anhand der geschilderten Symptome nicht differenziert werden, wer langfristig mit einem hohen Risiko für komplizierte Trauer behaftet ist.

Kritisch soll angemerkt werden, dass es weitere Forschung braucht – etwa mit verwaisten Eltern, trauernden Kindern und Trauer, die zurückliegende Traumata wieder reaktiviert -, um das Zeitkriterium in Hinblick auf seine Allgemeingültigkeit zu überprüfen. Insgesamt muss Trauerforschung in Deutschland intensiver betrieben werden.

Die Diagnose in der Praxis

Wenn sich ein trauernder Mensch dafür entscheidet, professionelle psychotherapeutische Hilfe aufzusuchen, gibt es bislang keine angemessene Diagnose, mit der Komplikationen im Rahmen eines Trauerprozesses für den Antrag der Kostenübernahme durch die Krankenkassen speziell fachlich begründet (und kodiert) werden können. Stattdessen wird wohl meist eine Anpassungsstörung oder eine depressive Störung diagnostiziert. Oder die Betroffenen nehmen von vornherein privat bezahlte therapeutische Angebote in Anspruch, da sie sich in den anderen Diagnosen nicht wiederfinden. Die Möglichkeit einer spezifischen Diagnose wird denjenigen, die professionelle Hilfe im Rahmen ihrer Trauer benötigen und auch in Anspruch nehmen wollen, den Weg hierzu erleichtern.

Nur wenn Betroffene das Hilfesystem aufsuchen, kann eine entsprechende Diagnose gestellt werden. Bei Trauernden, die nicht das professionelle Hilfesystem (z.B. ambulante Psychotherapie) aufsuchen, kann diese Diagnose nicht gestellt werden. Sie können also auch nicht 6 Monaten nach Verlust des bedeutsamen Menschen pauschal vom Gesundheitssystem in ihrer Trauer pathologisiert werden.

Im Behandlungssystem selbst wird eine Diagnose „anhaltende Trauerstörung“ dafür sorgen, dass Wissen und Praxis über die psychotherapeutisch wirksame Behandlung dieser Störung systematisch in der Ausbildung von Psychotherapeuten verankert wird. Außerdem werden vermehrt spezifische Therapieformen entwickelt und evaluiert werden.

Vermeidung von Fehldiagnosen und falschen Behandlungen

Die Kriterien für die Diagnose einer anhaltenden Trauerstörung sind sehr hoch angesetzt und klar formuliert. Es wird nur einen relativ geringen Anteil an Trauernden geben, die diesen Kriterien entsprechen. Die aktuelle Forschung geht von einem Anteil von ca. 3% der Trauernden aus. Wie bei allen anderen Diagnosen braucht es allerdings Kenntnis der Diagnosekriterien und sorgfältiges Vorgehen seitens der Behandler. Auch die Empfehlung bzw. Anwendung präventiver Diagnostik und adäquater Interventionsformen obliegt im Falle einer anhaltenden Trauerstörung der Verantwortung der behandelnden Ärzte und Psychotherapeuten.

Die DGP weist darauf hin, dass Ärzte und Psychotherapeuten in der Verantwortung stehen, sich mit Ein- führung der Diagnose der anhaltenden Trauerstörung sowohl umfassend über „normale“ Trauer zu infor- mieren als sich auch mit „komplizierter“ Trauer und derer adäquater Behandlung fachlich auseinanderzu- setzen, sich zu qualifizieren und entsprechende Angebote bereitzustellen.

Trauerbegleitung als maßgeblicher Baustein der Prävention

Die DGP unterstreicht die Wichtigkeit und Wirksamkeit von Trauerbegleitung, welche von unterschiedli- chen Berufsgruppen sowie von geschulten Ehrenamtlichen geleistet wird. Sie verdient jede hilfreiche Form gesellschaftlicher Unterstützung und Anerkennung. Dieses Angebot muss weiter ausgebaut, bekannter gemacht und mit der Palliativversorgung und ambulant niedergelassenen Ärzten vernetzt werden Denn Trauerbegleitung in ihrer gesamten Bandbreite hat nachweislich präventiven Charakter.

(Quelle: Deutsche Gesellschaft für Pallativmedizin)

Drehstart für ZDF-Historiendrama „Aufbruch in die Freiheit“

Mainz (ots) – „Wir haben abgetrieben!“, titelte der „Stern“ 1971. Welche persönlichen Schicksale hinter dem Kampf um straffreie Abtreibung stecken, davon erzählt das ZDF-Historiendrama mit dem Arbeitstitel „Aufbruch in die Freiheit“ anhand der Lebensgeschichte von Erika Gerlach. Die Dreharbeiten dafür haben am Montag, 19. Juni 2017, im Raum Köln begonnen. Isabel Kleefeld führt Regie nach dem Drehbuch von Andrea Stoll, Heike Fink und Ruth Olshan. In den Hauptrollen sind Anna Schudt, Christian Erdmann und Alwara Höfels zu sehen.

Die Handlung

Erika (Anna Schudt) ist verzweifelt, als der Arzt feststellt: schwanger! Noch ein Baby? Ihre drei Kinder, die Arbeit in der Metzgerei von Ehemann Kurt (Christian Erdmann) und dazu die Verpflichtungen, die das Dorfleben mit sich bringen, sind ihr jetzt schon zu viel. In ihrer Not reist sie unter dem Vorwand, ihre Schwester Charlotte (Alwara Höfels) zu besuchen, nach Köln. Dort lässt sie heimlich ihr Baby abtreiben. Der Eingriff misslingt jedoch, nur durch eine Not-OP können die Ärzte Erika retten. Als Kurt davon erfährt, gerät die Ehe in eine ernsthafte Krise. Obendrein kommt es zum Streit zwischen ihm und der ältesten Tochter Ulrike (Lene Oderich). Das Mädchen bekommt eine Empfehlung für das Gymnasium, doch ihr Vater sieht Ulrikes Zukunft im Familienbetrieb. Und gegen dessen Willen kann sich auch Erika nicht durchsetzen. Kurzentschlossen verlässt sie ihn und Haus und Hof und nimmt ihre Kinder mit zu Charlotte. Bei ihr in Köln findet sie sich in einer anderen Welt wieder, in der kein Platz für Kurt zu sein scheint. Nach anfänglichem Zögern fasst Erika Mut und ordnet ihr Leben völlig neu.

Produzentin und Drehende

„Aufbruch in die Freiheit“ wird von der Relevant-Film (Produzentin: Heike Wiehle-Timm) im Auftrag des ZDF hergestellt. Die Dreharbeiten dauern voraussichtlich bis 25. Juli 2017; ein Sendetermin steht noch nicht fest. Die Redaktion im ZDF haben Solveig Cornelisen und Caroline von Senden.

Unstatistik 04/2017: Eine Stunde joggen, sieben Stunden länger leben

(PM) Eine amerikanische Studie über Jogging (Lee et al „Running as a Key Lifestyle Medicine for Longevity“) hat im April die Medien bewegt – und zur Unstatistik des Monats April geführt. Etwa 55.000 Männer und Frauen im Alter von 18 bis 100 Jahren wurden untersucht, um herauszufinden, ob Laufen das Leben verlängert. Die Studie berichtet, dass Laufen mit einer Verringerung von Herzkrankheiten, Krebs und anderen Krankheiten einhergeht und diese Wirkung größer sei, als wenn man die gleiche Zeit mit Radfahren, Schwimmen, Gehen oder einem anderem Sport verbringt. Im Internet wurden die Ergebnisse mit Schlagzeilen wie „Eine Stunde Jogging verlängert Leben um sieben Stunden“(www.ispo.com) oder „Jede Stunde Laufen schenkt dir 7 Stunden Lebenszeit!“ (www.woman.at) verbreitet.

Das Joggen in blanken Zahlen

Eine Stunde investieren und sieben zusätzliche erhalten – das klingt wie ein Traum. Wenn das so wäre, dann könnten wir uns unsterblich „laufen“. Rechnen wir das einmal nach: Würde man täglich vier Stunden laufen, dann macht das pro Tag einen Gewinn von 28 Stunden Lebenszeit. Da 28 Stunden länger dauern als ein Tag, wird demnach die Lebenserwartung jeden Tag immer länger. Selbst wenn man nur eine Stunde täglich joggen würde, wären dies in den 50 Lebensjahren von 20 bis 70 insgesamt 365×50 Stunden, also etwas über 2 Jahre, die man mit Laufen verbringt. Nach dieser Rechnung würde sich die Lebenserwartung um 14 Jahre verlängern, wovon modernste Medizintechnik nur träumen kann. Also nichts wie los, ums Leben laufen?

Zahlen plus Logik = Statistik

Doch die Schlagzeilen führen in die Irre, da sich die Zahl „eine Stunde Joggen, um sieben Stunden länger zu leben“ nur auf die Situation von zwei Stunden Jogging pro Woche bezieht. Das ist die durchschnittliche Zeit, welche die untersuchten Jogger gelaufen sind (und diese zwei Stunden wurden nicht gemessen, sondern waren eine Selbsteinschätzung im Fragebogen). In der Originalstudie heißt es auch klar, dass der Nutzen des Laufens abnimmt, je länger man pro Tag läuft. Insgesamt wird über einen maximalen Gewinn von etwa drei Jahren Lebenserwartung berichtet – was die meisten Berichte im Internet am Ende auch erwähnen. Die Zahl „eine Stunde Joggen und sieben Stunden länger leben“ wurde so geschätzt: Eine Gruppe von Joggern im Alter von 44 Jahren, die 2 Stunden pro Woche läuft, verbringt bis zum Alter von 80 Jahren insgesamt 0,43 Jahre mit Laufen und gewinnt dabei 2,8 Jahre zusätzliche Zeit – das entspricht rund eine Stunde Laufen pro sieben Stunden länger leben. Dass jede zusätzliche Stunde Laufen sieben Stunden Lebenszeit schenkt und damit das Leben immer länger wird, wenn man mehr läuft, davon war nicht die Rede. Im Gegenteil, exzessives Laufen kann das Risiko erhöhen, an Herzkrankheiten zu sterben, wie die Studie auch berichtet.

Fazit: Schlagzeilen erwecken oft Erwartungen, die der Artikel nicht befriedigen kann. Dennoch weisen viele Studien daraufhin, dass regelmäßige Bewegung wie Laufen, Gehen und Tanzen für Menschen ohne schwere Krankheit genau so viel oder mehr zur Gesundheit beitragen kann wie regelmäßige Checkups, Krebs-Früherkennung und vorbeugende Medikamente. Und noch etwas: Wenn schon zum Arzt, dann laufen.

MEHR UNTER: www.unstatistik.de

 

Warum zur Heilpraktikerin für Psychotherapie?

Menschen mit psychischen Problemen müssen nicht immer krank sein – das weiß jeder aus seinem persönlichen Lebensumfeld, denn schließlich rennt man auch nicht mit jeder kleinen Erkältung direkt zum Arzt. Sofern man nicht mehr genau weiß, ob zum Beispiel das ständige Grübeln über das eigene Altern schon in Richtung Depression im Krankheitssinne geht oder die Zwangshandlung schon behandlungsbedürftig oder nur eine Marotte ist, beginnen die Recherchen im Internet und angesichts der vielfältigen Informationen fragt man sich irgendwann unter anderem: „Warum zum Heilpraktiker für Psychotherapie?“

Die Schwere des subjektiven Leidens

Wie oben bereits erwähnt, ist ja nicht alles gleich eine Krankheit. Auch nicht, wenn es um psychische Probleme geht. Mancher fühlt sich von mehr als zwei festen Terminen in der Woche überfordert, die nach einem vollen Arbeitstag noch absolviert werden müssen; andere Menschen laufen an genau diesem Punkt überhaupt erst zur Hochform auf. Ist der dreißigste, vierzigste oder fünfzigste Geburtstag das Lebensereignis, das einen aus den Hufen haut oder einfach nur der Beginn eines neuen Lebensabschnitts? Wenn das einzige oder das letzte Kind das Elternhaus verläßt, ist das für viele Eltern ein derart einschneidendes Erlebnis, das nur noch vom Übergang eines arbeitsreichen Lebens in das Rentenalter übertroffen wird… Diese wenigen Beispiele sollen illustrieren, wie vermeintlich banale Dinge, wie sie in jedem Lebenslauf vorkommen, einige von uns völlig vom gewohnten oder sogar gesunden Weg abbringen, andere wiederum auf ganz neue, spannende Lebenslinien führen. Wenn die Kinder das Haus verlassen, fühlen manche Mütter und/oder Väter eine furchtbare Leere, die durchaus bis zu Krankheiten führen kann. Andere wiederum gestalten das ehemalige Kinderzimmer umgehend in den längst überfälligen Hobbyraum um.

Die Hilfe guter Freundinnen und Freunde

Zunächst wendet man sich bei oben genannten Ereignissen (das Wort „Problem“sollte nicht inflationär benutzt werden) an Vertraute aus dem Freundeskreis. Wenn von diesen jedoch irgendwann der Rat kommt, sich vielleicht professionelle Hilfe zu holen, muss es tatsächlich nicht gleich der Psychiater oder psychologische Psychotherapeut sein. Bei Lebensereignissen wie oben angedeutet reicht es oftmals schon aus, einen außenstehenden Berater aufzusuchen und dort fünf bis zehn Krisen-Sitzungen (so nenne ich das gern) in Anspruch zu nehmen. Sobald jedoch permanente Schlaflosigkeit oder andere körperliche Symptome hinzukommen, ist es in jedem Falle ratsam, die Hausärztin/den Hausarzt seines Vertrauens aufzusuchen. Dort kann immer noch entschieden werden, wie es weitergeht. Ein weiterer Punkt: Aus den unterschiedlichsten Gründen möchte man sich manchmal auch gerade nicht seinen FreundInnen anvertrauen.

Der Psychologische Berater versus HeilpraktikerIn für Psychotherapie

Was sehr wichtig ist: Der Beruf „Psychologischer Berater“ ist ein freier Beruf. Es kann sich also jeder so nennen. Deshalb würde man hier viel Zeit investieren (und womöglich auch viel Geld), bevor man dessen tatsächliche Qualifikation spürt – oder eben auch nicht. Die „Heilpraktiker für Psychotherapie“ hingegen müssen eine schriftliche und eine mündliche Prüfung beim jeweiligen Gesundheitsamt absolviert haben, bevor sie sich so nennen dürfen. Damit erbringen sie den Nachweis darüber, dass sie „keine Gefahr für die Volksgesundheit“ sind (klingt wunderlich, denn die Regelung basiert auf alten Gesetzen). Darüber erhalten sie eine Urkunde, ein Zertifikat. Gleichzeitig sind HeilpraktikerInnen für Psychotherapie zu ständiger Weiterbildung in ihrem Gebiet angehalten.

Vorteile: HeilpraktikerIn für Psychotherapie

Die Wahl fällt meist auf den/die HeilpraktikerIn für Psychotherapie, wenn es um jene oder ähnliche Lebensereignisse wie die oben genannten geht. Meist muss man diese psychologisch fundierte Hilfe aus eigener Tasche bezahlen (wobei man sich im Vorfeld bei seiner Krankenkasse dahingehend erkundigen kann, denn manche -sehr wenige- übernehmen auch die Kosten), doch weitere Vorteile sind tatsächlich nicht von der Hand zu weisen: Durch die auch hier geltende Schweigepflicht und das Nicht-Einspeisen von persönlichen Daten in das offizielle Gesundheitssystem kann die Behandlung bei Heilpraktikern für Psychotherapie auch nicht in andere Kostenentscheide oder sonstige Maßnahmen und Entscheidungen der Krankenkasse einfließen. Das Vertrauen in die Datensicherheit ist bei den meisten Menschen nun einmal schwer erschüttert und bei realistischer Betrachtung glaubt wohl kaum jemand daran, dass die eigenen Daten nicht auch an andere Ämter weitergegeben werden – egal, ob das  nun legal ist oder nicht. Weiterhin fühlen sich sehr viele Leute einfach unwohl bei dem Gedanken, dass eine Behörde wie die die Krankenkasse die privatesten Probleme kennt, zudem psychische Leiden oftmals immer noch sehr stigmatisiert sind.

Der jährliche TÜV für die Psyche

Mittlerweile gehören Therapie und Coaching (so sie offiziell NICHT an eine tatsächliche Krankheit gekoppelt sind) zum guten Ton, fast zum Mainstream. Es zeugt von Stärke, sich selbst zu hinterfragen und entsprechend aufzuräumen. So wundert es nicht, dass freie TherapeutInnen sich ungern auf Preis-Diskussionen einlassen. Immerhin ist die eigene Psyche und das allgemeine Wohlbefinden mehr wert als das neueste Mobiltelefon oder Autoreparaturen. Daher empfehle ich -unabhängig davon, ob die Klienten nun zu mir kommen oder nicht- in unseren doch sehr hektischen und facettenreichen Zeiten unbedingt, sich eher für einen „jährlichen TÜV für die Psyche“ zu entscheiden.

Wichtig ist tatsächlich bei alledem nur: Schauen Sie sich genau an, wen Sie aufsuchen! Eine kostenlose Erstberatung sollte immer drin sein, damit Sie die gemeinsame Wellenlänge feststellen können (wer will schon mit jemandem reden, mit der/dem einfach die Chemie nicht stimmt). Und unbedingt beachten: Bei körperlichen Symptomen unbedingt zunächst Ihren Hausarzt aufsuchen!